Aktualizováno 23.9.2026
Mont Blanc, 4.806 Meter, und schon ist in Europa Schluss. In den Anden fängt es in dieser Höhe erst richtig an: Hier stehen Dörfer, Bergseen und Passstraßen auf über 4.000 Metern, und darüber türmen sich Dutzende Sechstausender. Die höchsten Berge Südamerikas reichen fast bis an die 7.000-Meter-Marke heran, allen voran der Aconcagua, der höchste Gipfel der Erde außerhalb Asiens. Wer vom Mont-Blanc-Gipfel aus weiter will, muss sich noch gut 2.150 Meter dazudenken.
Wir haben dir die höchsten Berge Südamerikas als Liste zusammengestellt: mit geprüften Höhen, dem Land, in dem sie stehen, und dem, was jeden einzelnen Gipfel besonders macht. Dazu erfährst du, warum sich die Höhenangaben so oft widersprechen, welche Berge du ohne Kletterkenntnisse erreichst und wann du am besten hinfliegst.
Höchste Berge Südamerikas auf einen Blick
- Höchster Berg Südamerikas: Aconcagua (Argentinien), 6.961 m (je nach Messung 6.960,8 bis 6.962 m), der höchste Gipfel außerhalb Asiens.
- Höchster Vulkan der Erde: Ojos del Salado (Chile/Argentinien), 6.893 m (neuere Messungen 6.879 bis 6.887 m), zugleich der höchste Berg Chiles.
- Alle Riesen stehen in den Anden, der längsten Gebirgskette der Welt mit mehr als 7.000 Kilometern.
- Die Rekorde liegen im Süden: Die zehn höchsten Gipfel stehen in Argentinien und Chile, mit einer Ausnahme in Peru. Bolivien und Ecuador folgen mit ihren Landesgipfeln.
- Auch für Nicht-Kletterer: Der Aconcagua gilt als höchster nicht-technischer Gipfel der Welt, die Höhe bleibt trotzdem extrem.
- Berühmt ist nicht gleich hoch: Fitz Roy, Cerro Torre und Cotopaxi schaffen es nicht in die Top 12 und sind trotzdem die Ikonen der Anden.

Die Anden: das längste Gebirge der Welt
Eines vorweg, bevor es an die Rangliste geht: Alle höchsten Berge Südamerikas gehören zu einem einzigen Gebirge, den Anden. Und das ist ein Gebirge von anderem Kaliber als die Alpen. Mit mehr als 7.000 Kilometern Länge (je nach Messweise werden sogar bis zu 8.900 Kilometer angegeben) sind die Anden die längste zusammenhängende Gebirgskette der Erde. Sie ziehen sich am ganzen Westrand des Kontinents entlang, von Venezuela und Kolumbien im Norden über Ecuador, Peru und Bolivien bis nach Chile und Argentinien im Süden. Zum Vergleich: Die Alpen bringen es auf rund 1.200 Kilometer.
Entstanden sind die Anden dort, wo sich die ozeanische Nazca-Platte unter die Südamerikanische Platte schiebt. Deshalb gibt es hier so viele Vulkane, und deshalb sind viele der höchsten Gipfel erloschene oder schlafende Feuerberge. Je nach Zählweise ragen in den Anden rund hundert Gipfel über 6.000 Meter auf, eine Dichte an Sechstausendern, die es außerhalb von Himalaya und Karakorum nirgends gibt. Die allerhöchsten stehen in den Zentralanden und den trockenen Anden zwischen Argentinien und Chile, rund um die Atacama-Wüste. Dort ist es extrem trocken und das Wetter vergleichsweise stabil. Das ist übrigens der Grund, warum manche dieser Sechstausender bergsteigerisch „freundlicher“ sind als niedrigere, aber vergletscherte Berge in den Tropen weiter nördlich.
Eine Sache sorgt in fast jeder Rangliste für Verwirrung: die Grenze. Die chilenisch-argentinische Grenze folgt weitgehend dem Hauptkamm, deshalb teilen sich viele Gipfel zwei Länder. Der höchste Berg Chiles, der Ojos del Salado, steht genau auf der Grenze, darum zählt ihn auch Argentinien zu seinen Bergen. Argentinien hat aber einen eigenen, höheren Champion: Der Aconcagua liegt vollständig auf argentinischem Gebiet, rund 15 Kilometer von der chilenischen Grenze entfernt. Von unseren zwölf Gipfeln sind gleich vier Grenzberge (Ojos del Salado, Tres Cruces, Llullaillaco und Incahuasi). Sie tauchen also in der chilenischen wie in der argentinischen Liste auf.
💡 Tipp: Wenn du zu den großen Andengipfeln reist, nimm die Höhe vom ersten Tag an ernst. Schon eine ganz normale Stadt wie La Paz in Bolivien liegt auf gut 3.600 Metern, also höher als die Zugspitze. Plane Akklimatisierungstage ein, auch wenn du gar nicht auf einen Gipfel willst.
Höchste Berge Südamerikas: die Top 12
Hier ist unsere Liste der höchsten Berge Südamerikas, jeweils mit dem, was du über den Gipfel wissen solltest. Die Plätze 1 bis 10 sind tatsächlich die zehn höchsten eigenständigen Gipfel des Kontinents. Auf Platz 11 und 12 haben wir bewusst die Landesgipfel von Bolivien und Ecuador gesetzt, weil sie auf den klassischen Reiserouten liegen. Streng nach Höhe kämen dort der Yerupajá in Peru (6.635 m) und der Tupungato an der Grenze von Chile und Argentinien (6.570 m), der Chimborazo landet in der reinen Höhenliste erst um Platz 39. Wo sich die Messungen deutlich unterscheiden, bekommst du beide Werte. Faustregel: Ältere Zahlen stammen aus Triangulation und barometrischer Messung, neuere aus Satelliten-GPS, und der Unterschied beträgt oft einige Dutzend Meter. Also: Wie hoch sind die höchsten Berge Südamerikas wirklich?
1. Aconcagua: 6.961 m (Argentinien)
Der König des Kontinents. Der Aconcagua ist nicht nur der höchste Berg Südamerikas, sondern der ganzen West- und Südhalbkugel und der höchste Gipfel der Erde außerhalb Asiens. Er gehört zu den Seven Summits, den höchsten Bergen der sieben Kontinente. Er steht in der argentinischen Provinz Mendoza, gut 110 Kilometer nordwestlich der gleichnamigen Stadt und etwa 15 Kilometer von der chilenischen Grenze entfernt. Das Überraschende: Auf den Gipfel kommst du ohne technische Kletterei, mehr dazu weiter unten. Deutsche Bergsteiger stellen hier übrigens nach den US-Amerikanern die zweitgrößte ausländische Gruppe.
Wie hoch er wirklich ist: Du wirst auf drei Zahlen stoßen. Eine wissenschaftliche Auswertung der Universidad Nacional de Cuyo in Mendoza kam 2012 auf 6.960,8 m, eine gemeinsame argentinisch-chilenische GPS-Messung von 2001 auf 6.962 m, und meist wird auf 6.961 m gerundet. Der Unterschied hängt davon ab, wie man die Schneekappe am Gipfel behandelt und welches Geoidmodell zugrunde liegt.
Machbarkeit: Der Normalweg ist eine Hochtour ohne Kletterstellen (der höchste nicht-technische Aufstieg der Welt), aber eben auf fast 7.000 Metern. Rechne mit zwei bis drei Wochen inklusive Akklimatisierung.
Erstbesteigung: Am 14. Januar 1897 stand der Schweizer Bergführer Matthias Zurbriggen als Erster oben, als Teil der Expedition von Edward FitzGerald.
2. Ojos del Salado: 6.879 bis 6.893 m (Chile/Argentinien)
Der zweithöchste Berg des Kontinents, der höchste Vulkan der Erde und der höchste Berg Chiles. Er steht direkt auf der chilenisch-argentinischen Grenze am Rand der Atacama, einer der trockensten Gegenden der Welt. Im Gipfelbereich liegt ein Kratersee von etwa 100 Metern Durchmesser auf rund 6.480 bis 6.500 Metern, vermutlich der höchstgelegene See der Welt. Einen gesicherten historischen Ausbruch gibt es nicht, der letzte belegte liegt über tausend Jahre zurück. Fumarolen und Dampfaustritte wurden aber immer wieder beobachtet, im November 1993 sogar Asche- und Dampfsäulen. Er gilt deshalb als schlafend, nicht als erloschen.
Wie hoch er wirklich ist: Der klassische Wert lautet 6.893 m, neuere GPS-Messungen kommen auf 6.879 m bzw. 6.887 m. Die 14 Meter Unterschied sind ein Paradebeispiel dafür, wie sich Zahlen beim Wechsel von barometrischer zu satellitengestützter Höhe verschieben.
Machbarkeit: überwiegend Hochtour, oben leicht technisch. Von chilenischer Seite kommst du mit dem Geländewagen bis zur Hütte auf rund 5.200 Metern, der weitere Aufstieg ist nicht schwierig. Für den felsigen Gipfelaufbau brauchst du aber meist eine kurze, seilgesicherte Kletterstelle und vor allem eine sehr gute Akklimatisierung.
Erstbesteigung: Am 26. Februar 1937 erreichten die polnischen Bergsteiger Justyn Wojsznis und Jan Alfred Szczepański als Erste den Gipfel.
3. Monte Pissis: 6.793 m (Argentinien)
Ein erloschener Vulkan an der Grenze der argentinischen Provinzen La Rioja und Catamarca, benannt nach dem französischen Geologen Pedro José Amadeo Pissis, der für die chilenische Regierung arbeitete. Er liegt mitten in der extrem trockenen Atacama-Region und trägt trotzdem oberhalb von etwa 5.900 Metern einen Gletscher mit Spalten. Das ist für diese Wüstenecke der Anden eine echte Ausnahme, denn die meisten Nachbarn sind trotz ihrer Höhe fast schnee- und eisfrei.
Wie hoch er wirklich ist: Hier gehen die Angaben so weit auseinander wie nirgends sonst auf der Liste. Eine argentinische Expedition maß 1994 mit der damals neuen GPS-Technik 6.882 m und verkündete, der Pissis sei höher als der Ojos del Salado. Genauere DGPS-Messungen, 2005 durch ein österreichisches Team und 2007 durch eine chilenisch-argentinisch-europäische Expedition, widerlegten das und legten die Höhe auf 6.793 m fest (manche Quellen nennen 6.792 oder 6.795 m). Fast 90 Meter Unterschied: eine gute Erinnerung daran, dass „per GPS gemessen“ allein noch nichts garantiert.
Machbarkeit: technisch leichter Expeditionsberg. Der Aufstieg ist eher ein langer Ausdauermarsch in die Höhe als eine Kletterei. Du brauchst aber eine lange Akklimatisierung und musst im abgelegenen Gelände komplett autark sein. Die meisten Teams starten zwischen Dezember und März über den Ort Fiambalá.
Erstbesteigung: 1937 durch Stefan Osiecki und Jan Alfred Szczepański von der zweiten polnischen Andenexpedition. So abgelegen ist der Berg, dass die nächste belegte Besteigung erst 1985 folgte, fast ein halbes Jahrhundert später.
4. Huascarán: 6.768 m (Peru)
Der höchste Berg Perus und der höchste Gipfel der Tropen überhaupt. Er steht in der Cordillera Blanca und ist ein richtiger Gletscherberg, das Gegenteil des trockenen Pissis. Weil er nahe am Äquator und sehr hoch liegt, gehört sein Gipfel zu den Punkten der Erdoberfläche, die am weitesten vom Erdmittelpunkt entfernt sind, knapp hinter dem Chimborazo in Ecuador. Außerdem ist er der Ort mit der geringsten Schwerkraft auf der Erde (rund 9,764 m/s²). Der Berg hat auch eine traurige Geschichte: Beim Erdbeben vom 31. Mai 1970 brach an seiner Nordseite eine gewaltige Eis- und Gesteinslawine ab, begrub die Orte Yungay und Ranrahirca und tötete mehr als 20.000 Menschen.
Machbarkeit: anspruchsvolle Hochtour über Gletscher. Spalten und Lawinengefahr bedeuten Steigeisen, Pickel, Seil und Hochtourenerfahrung, der Normalweg über den Sattel La Garganta ist mit PD bis AD bewertet und dauert fünf bis sieben Tage. Für Wanderer ohne Gletschererfahrung ist das nichts.
Erstbesteigung: Den höheren Südgipfel erreichte am 20. Juli 1932 eine deutsch-österreichische Expedition mit Erwin Schneider, Hermann Hoerlin, Franz Bernard, Philipp Borchers und Erwin Hein. Ihre Route über La Garganta ist bis heute der Normalweg.
5. Cerro Bonete: 6.759 m (Argentinien)
Der nächste argentinische Sechstausender, im Norden der Provinz La Rioja nahe der Grenze zu Catamarca. Genau genommen geht es um den Bonete Chico, und der wird oft mit dem deutlich niedrigeren Bonete Grande verwechselt. Wenn du recherchierst, prüf also, von welchem Gipfel die Quelle spricht. Auch eine ältere Angabe von 6.872 Metern geistert noch herum, Satellitendaten haben sie widerlegt.
Machbarkeit: einer der technisch leichtesten hohen Berge des Kontinents. Der Aufstieg ist eher ein langer Ausdauermarsch in die Höhe als eine Kletterei, die großen Hürden sind Akklimatisierung und Abgeschiedenheit.
6. Tres Cruces: 6.748 bis 6.758 m (Chile/Argentinien)
Ein Massiv mit mehreren Gipfeln auf der chilenisch-argentinischen Grenze, nicht weit vom Ojos del Salado. Der Hauptgipfel Tres Cruces Sur bleibt nur knapp unter dem Cerro Bonete, je nach Quelle mit 6.748 oder 6.758 Metern, der Mittelgipfel erreicht rund 6.629 Meter. Die Gegend ist berühmt für ihre rohe, fast marsartige Hochwüste, auf chilenischer Seite schützt sie seit 1994 der Nationalpark Nevado Tres Cruces. Und auch dieses Massiv zählen Chile und Argentinien beide zu ihren Bergen.
Machbarkeit: technisch wenig schwieriger Expeditionsberg. Was die Tour begrenzt, sind vor allem die extreme Abgeschiedenheit und das Wetter.
Erstbesteigung: am 24. Februar 1937, wieder durch die zweite polnische Andenexpedition (Stefan Osiecki und Witold Paryski).
7. Llullaillaco: 6.739 m (Chile/Argentinien)
Ein Grenzvulkan in der Atacama, der Archäologiegeschichte geschrieben hat. Am 16. März 1999 fand ein Team um Johan Reinhard und Constanza Ceruti hier drei außergewöhnlich gut erhaltene Mumien von Inkakindern, die bei einem Capacocha-Ritual geopfert worden waren: einen Jungen, ein Mädchen und eine ältere Jugendliche, heute bekannt als La Doncella (die Jungfrau). Zuerst wurden sie auf etwa sieben, sechs und 15 Jahre geschätzt, neuere Untersuchungen gehen von jüngeren Kindern aus (die Doncella etwa 13). Trockenheit und Frost haben die Körper in einem Zustand erhalten, der weltweit einmalig ist. Zu sehen sind sie heute im Museum für Hochgebirgsarchäologie (MAAM) in Salta. Die Plattform auf rund 6.715 Metern ist die höchstgelegene archäologische Fundstätte der Erde. Für die Höhe des Vulkans findest du auch 6.723 statt 6.739 Meter, wieder der Unterschied zwischen älterer und neuerer Messung. Und noch ein Rekord: Mit einem Ausbruch im Jahr 1877 gilt der Llullaillaco als höchster Vulkan der Erde, der in historischer Zeit aktiv war.
Machbarkeit: Expeditionsberg eher im Stil einer Hochtour, ohne ernsthafte Kletterei, aber mit langem Zustieg durch die Wüste und anspruchsvoller Akklimatisierung.
Erstbesteigung: Wie die Heiligtümer am Gipfel zeigen, waren die Inka spätestens um 1500 oben. Die erste dokumentierte Besteigung der Neuzeit gelang den chilenischen Bergsteigern Bión González und Juan Harseim.
8. Mercedario: 6.720 m (Argentinien)
Ein mächtiger Berg in der argentinischen Provinz San Juan, rund 100 Kilometer nördlich des Aconcagua. Er liegt abseits der großen Routen und ist deshalb deutlich ruhiger als sein berühmter Nachbar. Für erfahrene Bergsteiger, die einen Sechstausender ohne Gedränge suchen, ist das ein reizvolles Ziel.
Machbarkeit: lange Expedition, technisch über weite Strecken leicht (der Normalweg ist eine Blockkletterei), aber du musst autark sein und mehrere Tage für die Akklimatisierung einplanen.
Erstbesteigung: am 18. Januar 1934 durch Adam Karpiński und Wiktor Ostrowski von der ersten polnischen Andenexpedition. Dieselbe Expedition stieg kurz darauf über den Ostgletscher auf den Aconcagua, der seitdem Polengletscher (Glaciar de los Polacos) heißt.
9. Cazadero (Walther Penck): 6.658 bis 6.670 m (Argentinien)
Ein weitläufiger Komplex aus Vulkanen, Lavadomen und Lavaströmen (auch Cerro Tipas genannt) in der argentinischen Provinz Catamarca, zwischen Ojos del Salado im Norden und Monte Pissis im Süden. Seinen heutigen Namen trägt er nach dem deutschen Geologen Walther Penck, der die Gegend 1912/13 erforschte. Die Erstbesteigung gelang erst am 14. Dezember 1970 einer chilenisch-japanischen Seilschaft (Sergio Kunstmann, Pedro Rosende und K. Takeshita). Ein Detail für Gipfelsammler: Das Massiv hat so viele fast gleich hohe Felsköpfe, dass man den höchsten Punkt nach dem Prinzip Versuch und Irrtum sucht, anhand des Gipfelbuchs zwischen den Blöcken.
Machbarkeit: technisch leicht, körperlich und logistisch aber eine zermürbende Expedition.
10. Incahuasi: 6.621 bis 6.638 m (Chile/Argentinien)
Ein Grenzvulkan im Gebiet des Ojos del Salado, nahe am Paso San Francisco. Sein Name bedeutet auf Quechua „Haus des Inka“, und das kommt nicht von ungefähr: Am Gipfel stehen Reste einer inkaischen Zeremonialanlage, die zu den höchstgelegenen archäologischen Funden der Welt gehört. Entdeckt hat sie 1913 wieder Walther Penck, der den Berg schon 1912 bestiegen hatte. Die Inka selbst müssen in der Blütezeit ihres Reiches heraufgestiegen sein, also vor der spanischen Eroberung ab 1532. Die Landschaft rundherum ist typische Atacama, trocken und fast ohne Vegetation.
Machbarkeit: technisch leichter Aufstieg (der Nordgrat ist ein langer Geröllmarsch). Schwierig sind vor allem die Höhe, der Wind und die Orientierung im eintönigen Gelände.
11. Sajama: 6.542 m (Bolivien)
Der höchste Berg Boliviens und das Wahrzeichen des gleichnamigen Nationalparks, der schon 1939 gegründet wurde. Ein markanter Vulkankegel, der einsam über dem Altiplano aufragt. An seinen Hängen wächst die Queñoa (Polylepis tarapacana), ein knorriger, niedriger Baum, der hier bis auf 5.200 Meter steigt, die höchste Baumgrenze der Erde. Ältere Quellen nennen für den Berg 6.572 Meter, heute gilt 6.542 Meter. Machbarkeit: technische Gletschertour, steile Firn- und Eisflanken verlangen Steigeisen, Pickel und Hochtourenerfahrung, auch wenn es keine extreme Kletterei ist. Mit guter Akklimatisierung sind zwei bis drei Tage üblich. Erstbesteigung: am 4. Oktober 1939 durch Josef Prem und Wilfrid Kühm.
12. Chimborazo: 6.263 m (Ecuador)
Der höchste Berg Ecuadors und Inhaber eines ungewöhnlichen Rekords: Weil die Erde am Äquator ausgebeult ist, ist der Gipfel des Chimborazo der Punkt der Erdoberfläche, der am weitesten vom Erdmittelpunkt entfernt ist, weiter als der Gipfel des Everest. Über dem Meeresspiegel ist er also längst nicht der höchste Berg der Welt, aber gemessen vom Erdkern der „sternennächste“: Sein Gipfel liegt rund 2,1 Kilometer weiter vom Erdmittelpunkt entfernt als der des Everest. In Deutschland ist er vor allem durch Alexander von Humboldt bekannt, der im Juni 1802 mit Aimé Bonpland und Carlos Montúfar bis auf rund 5.875 Meter kam, höher als je ein Europäer vor ihm (die Inka waren am Llullaillaco freilich schon höher gewesen). Lange galt der Chimborazo sogar als höchster Berg der Welt.
Wie hoch er wirklich ist: In älteren Übersichten findest du 6.267 Meter oder sogar 6.310 Meter. Eine gemeinsame GPS-Messung des ecuadorianischen Militärgeografischen Instituts und des französischen IRD im Februar 2016 ergab 6.263,47 m, und das ist heute der gültige Wert.
Machbarkeit: vergletscherte Hochtour mit Steigeisen und Pickel, meist mit Bergführer. Unter den großen Bergen der Region zählt er nach guter Akklimatisierung aber zu den „zugänglicheren“.
Erstbesteigung: Am 4. Januar 1880 erreichte der Engländer Edward Whymper mit den italienischen Bergführern Jean-Antoine und Louis Carrel den Gipfel, eine der ersten dokumentierten Besteigungen eines Sechstausenders.

Zum schnellen Vergleich haben wir alle zwölf Gipfel in einer Tabelle zusammengefasst:
| # | Berg | Höhe | Land |
|---|---|---|---|
| 1 | Aconcagua | 6.961 m (6.960,8–6.962) | Argentinien |
| 2 | Ojos del Salado | 6.893 m (neuer 6.879) | Chile / Argentinien |
| 3 | Monte Pissis | 6.793 m (älter 6.882) | Argentinien |
| 4 | Huascarán | 6.768 m | Peru |
| 5 | Cerro Bonete | 6.759 m | Argentinien |
| 6 | Tres Cruces | 6.758 m (auch 6.748) | Chile / Argentinien |
| 7 | Llullaillaco | 6.739 m (auch 6.723) | Chile / Argentinien |
| 8 | Mercedario | 6.720 m | Argentinien |
| 9 | Cazadero (Walther Penck) | 6.670 m (auch 6.658) | Argentinien |
| 10 | Incahuasi | 6.638 m (auch 6.621) | Chile / Argentinien |
| 11 | Sajama | 6.542 m (älter 6.572) | Bolivien |
| 12 | Chimborazo | 6.263 m (älter 6.267–6.310) | Ecuador |
💡 Tipp: Wenn du gleich mehrere Landesgipfel „abhaken“ willst, bietet sich die Kombination aus Peru (Huascarán), Bolivien (Sajama) und Ecuador (Chimborazo) an. Die drei liegen auf der klassischen Backpacker-Route durch die Anden, die viele sowieso fahren. Nahe sind sie sich allerdings nur auf der Landkarte: Zwischen ihnen liegen jeweils lange Busfahrten.
Berühmte Berge Südamerikas, die es nicht in die Top 12 schaffen
Die Höhenliste ist das eine, der Ruhm das andere. Manche Andenberge kennt die ganze Welt, obwohl sie in der Top 12 nie auftauchen würden. Diese solltest du kennen:
- Fitz Roy (3.405 m, Argentinien/Chile): die Ikone Patagoniens, er steht sogar in Flagge und Wappen der Provinz Santa Cruz. Seine Granittürme über dem Ort El Chaltén gelten als eine der technisch schwierigsten Besteigungen der Welt, die Franzosen Lionel Terray und Guido Magnone standen erst 1952 oben. Für die meisten Besucher ist er aber vor allem ein unglaubliches Fotomotiv, und seine Silhouette kennst du vermutlich aus dem Logo einer Outdoormarke.
- Cerro Torre (3.128 m, Argentinien/Chile): der Nachbar des Fitz Roy und eine der gefürchtetsten Wände überhaupt. Eine schlanke Nadel, oft mit einem Pilz aus Raureif gekrönt. Um die angebliche Erstbesteigung von Cesare Maestri 1959, bei der sein Tiroler Partner Toni Egger ums Leben kam, wird bis heute gestritten. Als erste unbestrittene Besteigung gilt die der Italiener um Casimiro Ferrari 1974. Für Bergsteiger ein Mythos, für dich als Wanderer ein grandioser Anblick aus der Ferne.
- Cotopaxi (5.897 m, Ecuador): einer der höchsten aktiven Vulkane der Welt und ein fast perfekter Kegel mit Gletscherkappe, rund 50 Kilometer südlich von Quito. Unter den höchsten ist er nicht, aber er ist ein beliebtes Ziel für alle, die ihren ersten „Beinahe-Sechstausender“ wollen.
- Alpamayo (5.947 m, Peru): eine ebenmäßige Eispyramide in der Cordillera Blanca, die seit 1966 immer wieder zum schönsten Berg der Welt gekürt wird. Meist zitiert wird dafür eine Umfrage der Münchner Bergsteigerzeitschrift Alpinismus. Auch die Erstbesteigung ist ein Stück deutscher Alpingeschichte: 1957 standen Günter Hauser, Bernhard Huhn, Frieder Knauss und Horst Wiedmann als Erste auf dem Gipfel. Der Aufstieg über steile Firnflanken ist rein technisch und lawinengefährdet, trotzdem gehört er zu den gefragtesten Zielen kommerzieller Expeditionen.
- Yerupajá (6.635 m, Peru): der zweithöchste Berg Perus und der Herrscher der Cordillera Huayhuash. Streng nach Höhe wäre er der elfte Gipfel unserer Liste. Mit seinen steilen, messerscharfen Graten gilt er als einer der schwierigsten hohen Gipfel der Anden, bestiegen wurde er deshalb nur selten. Sein Gipfel ist zugleich der höchste Punkt im gesamten Einzugsgebiet des Amazonas.
Was lernen wir daraus? Wenn du eine Reise planst, verlass dich nicht nur auf Zahlen. Die Türme Patagoniens und der Cotopaxi passen in keine Höhenliste und gehören trotzdem zum Besten, was die Anden zu bieten haben.

Welche der höchsten Berge Südamerikas du selbst besteigen kannst
Das hängt vom Berg ab, und seien wir ehrlich: Die meisten Gipfel der Liste sind für normale Reisende wegen ihrer Abgeschiedenheit und der Logistik außer Reichweite. Zwei gute Nachrichten gibt es trotzdem.
Die erste heißt Aconcagua. Der Normalweg von Norden gilt als höchster nicht-technischer Aufstieg der Welt: Du musst weder am Seil klettern noch mit dem Pickel in einer Eiswand stehen. Vorsicht aber beim Wort „nicht-technisch“: Es bleibt ein Fast-Siebentausender, am Gipfel liegt der Luftdruck bei rund 40 Prozent des Werts auf Meereshöhe. Nur geschätzt 30 bis 40 Prozent der Bergsteiger kommen oben an, und die großen Gegner sind Kälte, Wind und Höhenkrankheit. Rechne mit zwei bis drei Wochen inklusive Akklimatisierung. Ausgangspunkt ist Mendoza, von dort sind es auf der Straße rund 186 Kilometer bis Puente del Inca am Parkeingang, aus Santiago de Chile über den Pass Cristo Redentor rund 167 Kilometer. Das Basislager Plaza de Mulas liegt auf 4.370 Metern und gilt als zweitgrößtes Basislager der Welt nach dem am Everest. Für die Besteigung brauchst du ein kostenpflichtiges Permit der Provinz Mendoza, dessen Preis stark von der Saison abhängt, die aktuellen Tarife nennt die Parkverwaltung. Es ist eine ernsthafte Hochtour für körperlich fitte und gut vorbereitete Leute, kein Wochenendausflug.
Der zweite „touristisch erreichbare“ hohe Berg ist der Cotopaxi in Ecuador. In die Top 12 schafft er es nicht, aber seinen vergletscherten Gipfel auf knapp 5.900 Metern schaffen mit Bergführer, Steigeisen und Pickel auch fortgeschrittene Wanderer, wenn sie gut akklimatisiert sind. Der Normalweg ist mit PD bewertet, von der Hütte José F. Ribas auf gut 4.860 Metern bist du etwa sechs Stunden bis zum Gipfel unterwegs. Achtung: Der Cotopaxi ist ein aktiver Vulkan. Nach den Unruhen 2015 und der Ausbruchsphase ab Oktober 2022 war der Gipfelaufstieg immer wieder gesperrt. Prüf den aktuellen Stand unbedingt vor der Reise.
💡 Tipp: Egal welchen hohen Andengipfel du angehst, entscheidend sind Akklimatisierung und ein Bergführer. Expeditionen und lokale Guides für den Aconcagua und die Nachbarberge organisierst du am besten in Mendoza. Geführte Touren und Ausflüge rund um Mendoza findest du auf GetYourGuide →
Auch wenn du gar nicht auf einen Gipfel willst, lassen sich die großen Andenberge wunderbar „von unten“ bereisen: zu den Basislagern, in die Nationalparks oder einfach zu den Aussichtspunkten. Aus Deutschland fliegst du meist nach Santiago de Chile oder Buenos Aires, oft mit Umstieg. Für die Weiterreise innerhalb von Chile und Argentinien lohnt sich ein Preisvergleich: Flüge und Verbindungen über Santiago de Chile vergleichst du hier →
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Häufige Fragen zu den höchsten Bergen Südamerikas
Welcher ist der höchste Berg Südamerikas? Der höchste Berg Südamerikas ist der Aconcagua in Argentinien mit 6.961 m (je nach Messung 6.960,8 bis 6.962 m). Er ist zugleich der höchste Gipfel der West- und Südhalbkugel und der höchste Berg der Welt außerhalb Asiens.
Wie viele 6000er gibt es in Südamerika? Je nach Zählweise ragen in den Anden rund hundert Gipfel über 6.000 Meter auf. Die meisten und höchsten davon stehen zwischen Argentinien und Chile, rund um die Atacama-Wüste.
Ist der Ojos del Salado höher als der Aconcagua? Nein. Der Ojos del Salado an der Grenze von Chile und Argentinien misst 6.893 m nach dem klassischen Wert bzw. 6.879 m nach neueren GPS-Messungen und ist damit der zweithöchste Berg Südamerikas. Dafür ist er der höchste Vulkan der Erde und der höchste Berg Chiles.
In welchen Ländern liegen die höchsten Berge Südamerikas? Die große Mehrheit liegt in Argentinien und Chile, oft direkt auf der gemeinsamen Grenze. Unter den zehn höchsten ist nur ein Gipfel außerhalb dieser beiden Länder, der Huascarán in Peru. Die höchsten Berge von Bolivien und Ecuador sind der Sajama und der Chimborazo.
Welcher ist der höchste Berg Perus? Der höchste Berg Perus ist der Huascarán (6.768 m) in der Cordillera Blanca. Er ist der höchste Gipfel der Tropen und ein echter Gletscherberg. Erstmals bestiegen hat ihn 1932 eine deutsch-österreichische Expedition.
Warum gilt der Chimborazo als „höchster Berg der Welt“? Weil die Erde keine perfekte Kugel ist, sondern am Äquator ausgebeult. Der Chimborazo liegt nahe am Äquator, deshalb ist sein Gipfel weiter vom Erdmittelpunkt entfernt als der des Everest, rund 2,1 Kilometer. Über dem Meeresspiegel gemessen ist der Everest aber mit 8.849 m weit höher als der Chimborazo mit 6.263 m.
Kann man den Aconcagua ohne Bergerfahrung besteigen? Der Normalweg auf den Aconcagua gilt als höchster nicht-technischer Aufstieg der Welt, Seilkletterei ist also nicht nötig. Trotzdem ist die Höhe extrem, nur etwa 30 bis 40 Prozent kommen oben an. Du brauchst sehr gute Kondition, Höhenerfahrung, eine sorgfältige Akklimatisierung und am besten einen Bergführer. Rechne mit zwei bis drei Wochen.
Sind Fitz Roy und Cerro Torre die höchsten Berge Patagoniens? Nein. Fitz Roy (3.405 m) und Cerro Torre (3.128 m) gehören bei Weitem nicht zu den höchsten Bergen des Kontinents. Weltberühmt sind sie wegen ihrer Form und ihrer Schwierigkeit, sie zählen zu den technisch anspruchsvollsten Besteigungen der Welt.
Wann ist die beste Reisezeit für die hohen Anden? Für die höchsten Gipfel in Argentinien und Chile ist die Hauptsaison der Südsommer, also etwa Dezember bis Februar, am Aconcagua und am Pissis auch bis in den März. Für Peru, Bolivien und Ecuador ist dagegen meist die Trockenzeit von etwa Mai bis September günstiger. Für dich heißt das: Aconcagua im deutschen Winter, Cordillera Blanca im deutschen Sommer.
Gehört der Cotopaxi zu den höchsten Bergen Südamerikas? Der Cotopaxi (5.897 m) schafft es nicht unter die Top 12, weil die höchsten Andengipfel alle über 6.000 m hoch sind. Er ist aber einer der höchsten aktiven Vulkane der Welt und ein beliebtes Bergziel in Ecuador.
Welcher ist der schönste Berg Südamerikas? Als schönster Berg gilt oft der Alpamayo (5.947 m) in der peruanischen Cordillera Blanca. Seit 1966 wird die ebenmäßige Eispyramide immer wieder zum „schönsten Berg der Welt“ gekürt, meist mit Verweis auf eine Umfrage der deutschen Zeitschrift Alpinismus. Zu den höchsten Gipfeln des Kontinents gehört er aber nicht.
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