Aktualizováno 23.9.2026
Wer von Wien nach Brünn fährt, sieht es schon von der Landstraße aus: weiße Mauern, ein schlanker Turm und darunter ein Kalkfelsen, der mitten aus den Weinbergen ragt. Schloss Mikulov, auf Deutsch Schloss Nikolsburg, liegt eine gute Stunde nördlich von Wien und nur wenige Kilometer hinter der österreichischen Grenze. Fast tausend Jahre Geschichte stecken in diesen Mauern, dazu zwei verheerende Brände, ein Besuch Napoleons und der Nikolsburger Waffenstillstand von 1866, mit dem Preußen und Österreich den Deutschen Krieg beendeten. Heute verwaltet das Regionalmuseum Mikulov das Schloss, und statt einer einzigen großen Führung gibt es sechs einzelne Rundgänge, die du dir nach Zeit und Interesse zusammenstellst.
In diesem Artikel findest du, was dich drinnen erwartet, wie sich die Rundgänge unterscheiden, was der Eintritt in Kronen und ungefähr in Euro kostet und wann das Schloss geöffnet hat. Wir selbst kommen am liebsten außerhalb der Hochsaison: Im Mai wartest du an der Kasse deutlich kürzer darauf, dass sich die fünf Leute für eine Führung zusammenfinden, als im August.
Schloss Mikulov auf einen Blick
- Öffnungszeiten 2026: 2. April bis 29. November. April, Oktober und November Fr–So 9–16 Uhr, Mai, Juni und September Di–So 9–17 Uhr, Juli und August Di–So 9–18 Uhr. Montags immer geschlossen.
- Eintritt: Hauptrundgang 180 Kronen (ca. 7 €, 70 Minuten), die kürzeren Rundgänge je 120 Kronen (ca. 5 €, 30 Minuten). Ermäßigt zahlst du die Hälfte. Bezahlt wird in Kronen, bar oder mit Karte.
- Berühmtestes Stück: das riesige Zehentfass für Wein von 1643 mit 1.014 Hektolitern Fassungsvermögen.
- Die Familie: die Dietrichsteins, denen Nikolsburg von 1575 bis 1945 gehörte.
- Kostenlos: der Weg auf den Schlossberg, der Ehrenhof und die Gartenterrassen mit Blick auf die Pollauer Berge (Pálava).
- Achtung: Führungen starten erst ab fünf Personen, und die Kasse schließt 30 Minuten vor Ende der Öffnungszeit.
Wo Schloss Mikulov steht und wie du hinkommst
Die Adresse lautet Zámek 1/4, und das Schloss thront wortwörtlich über dem Marktplatz. Der Zufahrtsweg beginnt im Osten, also am Hauptplatz mit dem Rathaus und der Kirche St. Anna, und führt an steinernen Statuen des bayerischen Bildhauers Ignaz Lengelacher vorbei nach oben. Das Schloss kommentiert das auf seiner Website trocken: „Richtig vermutet, es geht bergauf.“ Weit ist es nicht, aber steil, und an einem Sommermittag kommst du ins Schwitzen. Das hängt mit etwas zusammen, das sonst kaum irgendwo klar dasteht: Das Schloss ist nicht barrierefrei. Die Stadt Mikulov schreibt das beim Objekt ausdrücklich dazu, und vor Ort sieht es genauso aus. Zur Kasse geht es über einen gepflasterten Weg hinauf, zwischen den Höfen und den Ausstellungen über Treppen. Mit Kinderwagen oder Rollstuhl kommst du durch das Areal und auf die Terrassen, bei den Rundgängen selbst solltest du aber mit Problemen rechnen und vorher an der Kasse anrufen. Eine Ausnahme ist die Ausstellung „Wein durch die Jahrhunderte“, dazu weiter unten mehr.
Mit dem Auto sind es von Dresden rund 390 Kilometer (gut viereinhalb Stunden), von Berlin knapp 600 Kilometer (etwa sechseinhalb Stunden) und von München rund 490 Kilometer über Linz und Wien (gut fünf Stunden). Von Wien aus brauchst du für knapp 90 Kilometer etwa eine Stunde und zehn Minuten, von Brünn für 50 Kilometer eine Dreiviertelstunde. Denk an die Vignette: Auf tschechischen Autobahnen gilt eine elektronische Vignette, und wer über Österreich anreist, braucht auch die österreichische. Direkt hinauf zum Schloss fährst du normalerweise nicht, geparkt wird unten in der Stadt. Am günstigsten ist der zentrale Parkplatz in der Jiráskova (5 Kronen pro Stunde, 50 Kronen am Tag, also rund 2 € für den ganzen Tag), von dort sind es ein paar Minuten zu Fuß. Bezahlt wird dort am Automaten, die App EasyPark funktioniert auf diesem Parkplatz nicht.
Mit Bahn und Bus führt der Weg fast immer über Břeclav, den Bahnknoten an der Grenze zu Österreich und der Slowakei. Dort halten Fernzüge aus Richtung Prag und Wien, und von Břeclav fährt ein Regionalzug weiter zum Bahnhof Mikulov. Aus Brünn gibt es außerdem den direkten Regionalbus 105 vom zentralen Busbahnhof. Wer fliegt, landet am besten in Wien-Schwechat, das sind von dort rund 100 Kilometer, mit dem Mietwagen etwa eine Stunde und zwanzig Minuten.
💡 Tipp: Kommst du mit Bus oder Regionalzug aus Südmähren und hast ein gültiges Ticket des Verkehrsverbunds IDS JMK, zeig es an der Kasse. Du bekommst dann 20 % Rabatt auf den vollen Eintritt, beim Hauptrundgang sind das 36 Kronen (etwa 1,50 €). Kinder unter sechs Jahren sind ohnehin frei.

Schloss Mikulov: Öffnungszeiten und Eintritt 2026
Für normale Besichtigungen ist das Schloss vom 2. April bis 29. November 2026 geöffnet. Von Dezember bis März kommst du nicht auf die Rundgänge, ganz dunkel wird es auf dem Schlossberg aber trotzdem nicht: Dann öffnet das Schloss zu einzelnen Veranstaltungen. 2026 ist das der „Advent auf Schloss Mikulov“ am 5. Dezember mit Sonderführungen von kostümierten Guides, der Vorverkauf startet am 1. November über das Portal GoOut. Wenn du im Winter kommst, schau also ins Veranstaltungsprogramm, nicht auf die Öffnungszeiten. In der Saison ändern sich die Zeiten dreimal, und in den Randmonaten ist nur am Wochenende offen. Vor der Fahrt lohnt sich deshalb ein Blick auf die offizielle Seite.
| Zeitraum | Tage | Uhrzeit |
|---|---|---|
| April, Oktober, November | Freitag–Sonntag | 9:00–16:00 |
| Mai, Juni, September | Dienstag–Sonntag | 9:00–17:00 |
| Juli, August | Dienstag–Sonntag | 9:00–18:00 |
| Dezember–März | geschlossen | |
Bezahlt wird für jeden Rundgang einzeln, ein Kombiticket für alles gibt es nicht. Ermäßigt zahlen laut Preisliste des Schlosses Kinder und Jugendliche von 7 bis 18 Jahren, Studierende, Rentner, Inhaber von ISIC-, ITIC- und IYTIC-Karten sowie Menschen mit Schwerbehindertenausweis (die Seite des Regionalmuseums nennt bei Kindern noch 7 bis 15 Jahre, im Zweifel an der Kasse fragen). Die Familienkarte gilt für zwei Erwachsene und ein bis vier Kinder, Kinder unter sechs Jahren sind frei. Die Kasse nimmt tschechische Kronen, bar oder mit Karte.
| Rundgang / Ausstellung | Dauer | Normal | Ermäßigt | Familie |
|---|---|---|---|---|
| Von der Gotik zum Empire und Galerie der Dietrichsteins | 70 min | 180 Kč (ca. 7 €) | 90 Kč (ca. 4 €) | 400 Kč (ca. 16 €) |
| Keller mit Riesenfass und traditioneller Weinbau in Mähren | 30 min | 120 Kč (ca. 5 €) | 60 Kč (ca. 2,50 €) | 300 Kč (ca. 12 €) |
| Schlossbibliothek | 30 min | 120 Kč (ca. 5 €) | 60 Kč (ca. 2,50 €) | 300 Kč (ca. 12 €) |
| Wunsch und Würde | 30 min | 120 Kč (ca. 5 €) | 60 Kč (ca. 2,50 €) | 300 Kč (ca. 12 €) |
| Wein durch die Jahrhunderte (ohne Führung) | 30–60 min | 120 Kč (ca. 5 €) | 60 Kč (ca. 2,50 €) | 300 Kč (ca. 12 €) |
| Römer und Germanen im Land unter der Pálava (ohne Führung) | 30–60 min | 120 Kč (ca. 5 €) | 60 Kč (ca. 2,50 €) | 300 Kč (ca. 12 €) |
| Wechselausstellungen | – | 120 Kč (ca. 5 €) | 50 Kč (ca. 2 €) | 200 Kč (ca. 8 €) |
💡 Tipp: Führungen starten ab fünf Personen, und zwar einschließlich derer, die gratis hineindürfen. Seid ihr weniger, wartet ihr entweder auf den nächsten Termin (der findet dann unabhängig von der Teilnehmerzahl statt), oder ihr zahlt den Eintritt für fünf Personen. Außerhalb der Saison lohnt sich ein Termin am Vormittag, da füllt sich die Gruppe eher als am späten Nachmittag. Feste Führungen auf Deutsch nennt die offizielle Website nicht. Wenn dir das wichtig ist, frag vorher an der Kasse nach (pokladna@rmm.cz, +420 777 061 230).
Sechs Rundgänge: welcher passt zu dir
Eine große Route, auf der man dich einmal von Tor zu Tor führt, hat das Schloss nicht. Es hat sechs eigenständige Ausstellungen, aus denen du dir dein Programm baust. Vier davon besuchst du mit Führung zu festen Zeiten nach dem Plan an der Kasse, zwei gehst du ohne Führung in deinem eigenen Tempo ab.
1. Von der Gotik zum Empire und Galerie der Dietrichsteins (70 min, 180 Kč)
Der Hauptrundgang und der einzige, der dir die Repräsentationsräume des Schlosses zeigt. Zusammengestellt hat die Ausstellung die Mährische Galerie in Brünn aus ihren eigenen Sammlungen, und sie erzählt, wie sich die Wohnkultur von der Gotik bis zum Anfang des 19. Jahrhunderts entwickelt hat. Daran schließt eine durchgehende Porträtgalerie der Dietrichsteins an, also Regionalgeschichte in Gesichtern. Unter den Einzelstücken sticht das einzigartige Renaissance-Gewand von Markéta Františka Lobkowiczová hervor, das das Museum als Grabgewand beschreibt.
Für wen: Wenn du nur ein Ticket kaufst, dann dieses. Für uns ist es der einzige Rundgang, nach dem du das Gefühl hast, das Schloss wirklich gesehen zu haben.
2. Keller mit Riesenfass und traditioneller Weinbau in Mähren (30 min, 120 Kč)
Das meistfotografierte Motiv des ganzen Schlosses. Im Gewölbekeller unter der Vorburg steht das Renaissance-Riesenfass von 1643, und daran schließt eine Ausstellung über Rebanbau, Weinbereitung und Weinhandel an, von den ersten Erwähnungen bis Anfang des 20. Jahrhunderts. Nur eine halbe Stunde, aber daran erinnerst du dich am längsten.
3. Schlossbibliothek (30 min, 120 Kč)
Einer der wenigen Teile, die den Brand von 1945 überstanden haben, und bis auf Kleinigkeiten sieht er noch so aus wie im 18. Jahrhundert. In den originalen Barockschränken stehen über 11.000 Bände der Dietrichstein-Bibliothek, dazu Bücher aus weiteren südmährischen Adelsbibliotheken und aus dem früheren Piaristengymnasium. Spannend ist, was hier fehlt: Die ursprüngliche, riesige Bibliothek von Kardinal Franz von Dietrichstein haben die Schweden 1645 in 48 Fässern nach Schweden abtransportiert.
Auch der Raum selbst hat eine Geschichte. Ursprünglich war er ein Theatersaal, den der Kardinal bauen ließ und der 1640 zum ersten Mal erwähnt wird.
4. Wunsch und Würde (30 min, 120 Kč)
Eine Ausstellung über die Sammelleidenschaft der Dietrichsteins, also darüber, womit sich die Familie zu Hause beschäftigt hat. Erhalten sind Teile der Gemälde-, Mineralien- und Naturaliensammlungen, dazu Waffen und orientalische Kunst. Von allen Rundgängen ist das der am wenigsten „schlossartige“, er erinnert eher an ein Kuriositätenkabinett.
5. Wein durch die Jahrhunderte (ohne Führung, 120 Kč)
Die Ausstellung in den ehemaligen Schlossstallungen erzählt die Geschichte von Weinbau und Weinbereitung in Tschechien im europäischen Zusammenhang. Du gehst durch einen romanischen Keller, eine gotische Kapelle, ein Renaissance-Labyrinth und ein Barocktheater, vieles ist interaktiv und stark auf Kinder ausgerichtet. Der Raum ist barrierefrei und mit Tastelementen ausgestattet, was bei Schlossausstellungen selten ist.
Für wen: Familien mit Kindern und alle, die nicht von Führungszeiten abhängig sein wollen.
6. Römer und Germanen im Land unter der Pálava (ohne Führung, 120 Kč)
Sie liegt in den Kellerräumen des Schlosses und ist überraschend stark. Gezeigt werden archäologische Funde aus der zweiten Hälfte des 2. Jahrhunderts, als das Land unter der Pálava Schauplatz der Markomannenkriege zwischen Rom und den germanischen Stämmen war. Für deutsche Besucher ist das ein vertrautes Kapitel aus dem Geschichtsunterricht, nur eben von der germanischen Seite der Donaugrenze aus erzählt. Die Ausstellung erhielt 2007 den Gloria musaealis, den wichtigsten tschechischen Museumspreis, in der Kategorie Museumsausstellung des Jahres.

Das Riesenfass von 1643
Hätte Schloss Mikulov nur ein einziges Ausstellungsstück, wäre es dieses. Das Zehentfass für Wein aus der Renaissance steht in einem hohen Kellergewölbe beim sogenannten Räucherturm, direkt unter dem einstigen Schlosstheater. Gebaut hat es 1643 der Brünner Fassbinder Christoph Specht (tschechisch Kryštof Špecht). Es fasst 1.014 Hektoliter, also 101.400 Liter, und gilt als das größte erhaltene Weinfass Mitteleuropas.
Das Wort „Zehent“ im Namen ist kein Schmuck. In dem Fass lagerte der Wein, den die Herrschaft als Abgabe von den Untertanen einzog, die herrschaftliche Weinberge bewirtschafteten. Anders gesagt: Was du da siehst, ist eine Steuer, in Holz gegossen. Außerdem hat das Fass als eines von wenigen Dingen im Schloss beide Brände überstanden, den von 1719 und den vom April 1945, der fast den ganzen übrigen Bau samt Einrichtung zerstörte.
Was uns daran am meisten beeindruckt: der Maßstab. Auf Fotos kommt das nicht rüber, weil im Keller nichts steht, woran man das Fass messen könnte. Erst wenn du davor stehst und dein Kopf nicht einmal an den ersten Reifen reicht, wird dir klar, wie viel Arbeit die Handwerker allein darin stecken mussten, dass das Ding zusammenhält.

Die Dietrichsteins: die Familie, die aus der Burg eine Residenz machte
Nikolsburg hat oft den Besitzer gewechselt, aber ein Name blieb hier fast vierhundert Jahre lang. Adam von Dietrichstein (1527–1590), kaiserlicher Gesandter in Rom und Madrid, erhielt die Herrschaft 1575 von Kaiser Maximilian II. Vorher gehörte sie den Liechtensteinern, die sie 1560 wegen ihrer Schulden für 60.000 Taler an den ungarischen Adligen Ladislaus Kerecsényi verkauften. Als dessen Geschlecht ausstarb, fiel die Herrschaft an die kaiserliche Hofkammer und von dort an die Dietrichsteins, weil der Kaiser bei Adam tief in der Kreide stand. In ihren Händen blieb sie bis 1945.
Die Schlüsselfigur ist Adams jüngster Sohn Franz Seraph von Dietrichstein (1570–1636), Kardinal und Bischof von Olmütz. Als die Hauptstadt der Monarchie von Prag nach Wien wanderte, verlegte er seinen Bischofshof nach Nikolsburg, weil er es von hier näher zum Kaiserhof hatte. Er ließ das Schloss zu einer manieristischen Residenz im italienischen Stil umbauen: neue Wohnflügel, Festsäle, Aussichtspavillons, einen Ziergarten, ein Theater und einen großen Weinkeller. Nach den Konfiskationen im Anschluss an die Schlacht am Weißen Berg gehörte er zu den reichsten Grundbesitzern im Land.
Sein barockes Gesicht bekam das Schloss erst durch Walther Xaver von Dietrichstein nach dem Brand von 1719. Er holte den kaiserlichen Architekten Christian Alexander Oedtl, ließ Süd- und Westtrakt anbauen und zwischen 1720 und 1724 im Erdgeschoss des Südflügels über dem Garten eine Sala terrena mit Fresken von Georg Werle einrichten. Den Figurenschmuck lieferte Ignaz Lengelacher, das zweiflügelige geschmiedete Tor zum Schlossgarten der Kunstschlosser Heinrich Gottfried Forster.
Geschichte von Schloss Mikulov in Jahreszahlen
Als Schloss hat hier nichts angefangen. Archäologen haben auf dem Gipfel des Schlossbergs einen Holzbau aus der zweiten Hälfte des 11. Jahrhunderts nachgewiesen, wahrscheinlich im Zusammenhang mit der neuen Grenze zwischen Mähren und Österreich von 1082. Danach kamen eine steinerne Burg, eine Renaissance-Festung gegen die Türken, eine Barockresidenz und zweimal das Feuer.
| Jahr | Was geschah |
|---|---|
| 2. Hälfte 11. Jh. | Holzbau auf dem Schlossberg als Teil der Grenzverteidigung |
| 1249 | Der österreichische Adlige Heinrich I. von Liechtenstein erhält die Burg |
| 1380 | Gründung der Burgkapelle der Jungfrau Maria und des hl. Johannes des Evangelisten |
| 1426 | Die Hussiten brennen die Stadt nieder, die Burg können sie nicht einnehmen |
| um 1540 | Bau von vier Artillerierondellen, die Burg wird zur Festung gegen die Osmanen |
| 1560 | Die Liechtensteiner verkaufen Nikolsburg für 60.000 Taler |
| 1575 | Adam von Dietrichstein erhält die Herrschaft |
| 1621 | Im Schloss wird der Friede von Nikolsburg zwischen Gabriel Bethlen und Ferdinand II. geschlossen |
| 1643 | Das Riesenfass kommt in den Keller |
| 1645 | Die Schweden erobern Nikolsburg und nehmen die Bibliothek des Kardinals mit |
| 10. 8. 1719 | Großbrand im Schloss und im jüdischen Viertel, danach barocker Wiederaufbau |
| 1805 und 1809 | Napoleon Bonaparte hält sich im Schloss auf |
| 1866 | Waffenstillstand und Vorfrieden von Nikolsburg zwischen Preußen und Österreich |
| April 1945 | Zweiter Brand, das Schloss brennt fast bis auf die Grundmauern nieder |
| 1959 | Das Schloss wird Sitz des Regionalmuseums Mikulov |
Zwei Jahreszahlen verdienen einen zweiten Blick. 1805 hatte Napoleon das Schloss ursprünglich für die Friedensverhandlungen nach der Schlacht bei Austerlitz ausgesucht. Und 1866 wurde hier nach der verlorenen Schlacht bei Königgrätz der Waffenstillstand zwischen Österreich und Preußen geschlossen, wenige Tage später folgte der Vorfrieden von Nikolsburg. Das Schloss gehörte damals dem österreichischen Außenminister Alexander von Mensdorff-Pouilly. Zu Gast waren hier außerdem Rudolf II., Maria Theresia, der preußische König Wilhelm I. und Otto von Bismarck.
Das heutige Aussehen ist zum großen Teil das Ergebnis des Wiederaufbaus nach dem Krieg nach Plänen des Brünner Architekten Otakar Oplatek, der 1951 begann und Anfang der 1960er-Jahre abgeschlossen wurde. Wenn dir das bewusst ist, bekommt der Rundgang eine andere Dimension: Du stehst in einem Bau, der vor achtzig Jahren eine Brandruine war.

Schlossgarten, Terrassen und Ehrenhof
Der Gartenteil gehört zu den größten Anlagen seiner Art in Tschechien. Die Terrassen liegen auf mehreren Höhenstufen und ziehen sich rund um den Schlossberg, sodass du von ihnen auf die Stadt und über die Ebene bis zur österreichischen Grenze schaust. Die große Terrasse säumt eine Arkadengalerie, die du auf den meisten Fotos des Schlosses von unten wiedererkennst.
Der Ehrenhof auf der untersten Ebene entstand beim barocken Wiederaufbau nach dem Brand von 1719, auch sein Figurenschmuck stammt von Ignaz Lengelacher. Er schloss direkt an den Auftakt des Wegs zum Schloss an, und das war der Marktplatz mit Rathaus und St.-Anna-Kirche. Das zweiflügelige geschmiedete Gartentor hat Heinrich Gottfried Forster gefertigt.
In den Garten und auf die Terrassen kommst du ohne Ticket für die Ausstellungen. Eigene Öffnungszeiten dafür nennt die offizielle Website allerdings nicht, und ein Teil der Räume (Schlossgarten, Ostterrasse, Sala terrena, Jagdsaal) wird für Hochzeiten und Firmenfeiern vermietet und kann deshalb gerade belegt sein. Wenn du vor allem wegen des Gartens kommst, frag am Tag davor an der Kasse nach.

Türme, Höfe und Details, die man leicht übersieht
Der Schnabelturm im mittleren Hof steht seit dem Ende des 13. Jahrhunderts an der Spitze der nördlichen Vorburg. Der „Schnabel“, eine keilförmige Verstärkung des Mauerwerks, zeigt genau in die Richtung, aus der man den Beschuss erwartete, und sollte die Wucht der Kugeln brechen. Ähnliche Türme findest du auf den Burgen Bítov und Svojanov in Mähren oder Zvíkov und Strakonice in Böhmen, aber auf kaum einem Schloss kommst du so nah heran.
Der schlanke Rundturm auf dem Felsblock zwischen dem ersten und dem zweiten Hof gehört zu den ältesten Bauten auf dem Berg. Um 1380 richteten die Liechtensteiner darin die achteckige Kapelle der Jungfrau Maria und des hl. Johannes des Evangelisten ein. Das ursprüngliche spitze Pyramidendach ersetzte man beim Wiederaufbau nach dem Krieg durch die heutige barocke Haube, der Turm wirkt also innen älter als außen.
Und dann sind da die Rondelle. Die massiven, abgerundeten Blöcke, die aus dem Baukörper herausragen und wie eine missglückte Erweiterung aussehen, sind in Wahrheit Artilleriebastionen aus der Zeit um 1540, gebaut gegen die osmanische Bedrohung nach dem Vorbild italienischer Festungsarchitektur. 1544 wurde Nikolsburg zusammen mit der Maidenburg auf der Pálava dazu bestimmt, einen türkischen Angriff mit Kanonenschüssen und Signalfeuern weiterzumelden.

Café, Shop und Vinothek direkt im Schloss
Im Schloss kannst du auch sitzen bleiben, was praktisch ist, wenn du auf den nächsten Führungstermin wartest. Das Schlosscafé (Kavárna na zámku) hat von April bis Juni sowie im September und Oktober sonntags bis donnerstags 9–17 Uhr offen, freitags und samstags bis 20 Uhr, im Juli und August unter der Woche bis 18 Uhr. Es ist damit länger geöffnet als die Ausstellungen, von November bis März bleibt es zu. Der Museum Shop hat im Mai, Juni und September dienstags bis sonntags 9–17 Uhr geöffnet, mit Mittagspause von 12:00 bis 12:30. Die Schlossvinothek des Bio-Weinguts Marcinčák öffnet im September und Oktober am Wochenende von 10 bis 17 Uhr, im Juli und August täglich.
Die Öffnungszeiten dieser Betriebe ändern sich unabhängig von der Schlosssaison, prüf sie also extra. Die Schlosskasse erreichst du unter +420 777 061 230.
Wo du nah am Schloss übernachtest
Das Schloss steht über dem Marktplatz, und alles drumherum erreichst du zu Fuß. Die Frage sind hier also nicht die Kilometer, sondern das Parken. Seit Juli 2024 ist die Innenstadt in Zonen aufgeteilt: Zone A ist nur für Anwohner, in Zone B dürfen Besucher nur werktags von 7 bis 17 Uhr für 60 Kronen (ca. 2,50 €) pro Stunde parken, abends und am Wochenende gar nicht. Frag bei der Unterkunft deshalb zuerst nach einem eigenen Hof oder Stellplatz.
Penzion Kardinál liegt von diesen dreien am nächsten am Schloss. Es steht in der Husova-Straße direkt unter dem Schlossberg und bietet Zimmer und geräumigere Apartments mit eigenem Bad, morgens schlurfst du also in ein paar Minuten zur Kasse. Pension Baltazar liegt ein Stück weiter in derselben Straße, im ehemaligen jüdischen Viertel, und hat etwas, das im Zentrum selten ist: einen privaten Stellplatz für jedes Zimmer, dazu Frühstück im Speisesaal oder im Garten und eine Vinothek zur Selbstbedienung. Das Hotel Volarik liegt hundert Meter vom Schloss entfernt und spielt in einer ganz anderen Liga: das Hotel eines Mikulover Weinguts mit Wellnessbereich, genau richtig nach einem Tag auf den Beinen.
Mikulov ist klein, hat aber eine Menge Pensionen und Weingüter mit Zimmern. Je näher am Marktplatz, desto wichtiger wird die Frage nach dem Parkplatz, und in der Weinlese im September sind die guten Adressen früh weg.
Unterkünfte in Mikulov nah am Schloss →
Was wir anders machen würden
Beim ersten Mal haben wir an der Kasse gleich drei Rundgänge auf einmal gekauft, weil „wenn wir schon mal hier sind“. Am Ende haben wir zwischen den Führungen zweimal im Hof gewartet, in der zweiten Ausstellung nichts mehr aufgenommen und sind um drei Uhr nachmittags völlig erledigt aus dem Schloss gekommen. Beim zweiten Mal haben wir einen Rundgang genommen, einen Kaffee im Schlosscafé getrunken und sind eine Stunde lang einfach über die Terrassen gebummelt. Das war deutlich besser.
Würden wir es noch einmal planen, nähmen wir den Hauptrundgang, hoben uns das Fass für das nächste Mal auf und steckten die gesparte Zeit in den Garten. Die Terrassen sind nämlich der Grund, warum man wiederkommt: Jede Ebene hat einen anderen Ausblick, auf den meisten ist niemand, und die Weinberge unter der Pálava sehen im Abendlicht ganz anders aus als mittags.
Und du musst nicht alle sechs Ausstellungen sehen. Das Schloss ist keine Liste zum Abhaken, sondern ein Ort, an dem man gut sitzt. Die schönste halbe Stunde haben wir auf einer Mauer über dem Garten verbracht, ohne ein einziges Foto, nur mit dem Blick hinunter auf die Dächer von Mikulov. Den Rest haben wir uns fürs nächste Mal aufgehoben, weil wir sowieso wiederkommen.
Was du mit dem Schloss verbinden kannst
Je nach gewähltem Rundgang brauchst du für das Schloss ein bis drei Stunden, und den Rest des Tages füllst du, ohne ins Auto zu steigen. Direkt unterhalb des Schlosses beginnt das jüdische Viertel mit der Oberen Synagoge, in die andere Richtung geht es zum Aussichtsturm Kozí hrádek und auf den Heiligen Berg (Svatý kopeček). Wer mehr Zeit hat, fährt weiter unter die Pálava zur Burgruine Sirotčí hrádek oder in die Kulturlandschaft Lednice-Valtice, die zum UNESCO-Welterbe gehört. Und dann gibt es Dinge, für die du dir vorher ein Ticket besorgen solltest: geführte Weinproben in den Mikulover Kellern und Führungen, die am Wochenende und im September oft ausverkauft sind.
Was gerade im Angebot ist, siehst du in der Übersicht der Ausflüge und Erlebnisse in Mikulov und Umgebung. Wir würden das Schloss auf den Vormittag legen und den Weinkeller auf den Abend. Andersherum hast du von der Führung nicht mehr viel.
Wohin als Nächstes
- Mikulov: was du in der Stadt sehen solltest: Tipps für den Ort, Parken, die beste Reisezeit und wie du den Tag aufteilst.
- Ausflugsziele in Südmähren: Pálava, Lednice-Valtice, Znojmo und mehr in der Umgebung. Weitere Ziele im ganzen Land findest du in unserem Überblick Tschechien Sehenswürdigkeiten.
- Wochenende in Brünn: die nächste große Stadt, eine Stunde mit dem Bus.
Häufige Fragen
Was kostet der Eintritt ins Schloss Mikulov? Der 70-minütige Hauptrundgang „Von der Gotik zum Empire und Galerie der Dietrichsteins“ kostet 180 Kronen normal (ca. 7 €), 90 Kronen ermäßigt und 400 Kronen für die Familie. Die kürzeren 30-Minuten-Rundgänge, darunter der Keller mit dem Riesenfass, die Schlossbibliothek und „Wunsch und Würde“, kosten 120, 60 und 300 Kronen. Bezahlt wird in Kronen, bar oder mit Karte. Preise laut offizieller Preisliste, Stand September 2026.
Welche Öffnungszeiten hat Schloss Mikulov? 2026 ist das Schloss vom 2. April bis 29. November geöffnet. Im April, Oktober und November von Freitag bis Sonntag 9–16 Uhr, im Mai, Juni und September von Dienstag bis Sonntag 9–17 Uhr, im Juli und August von Dienstag bis Sonntag 9–18 Uhr. Von Dezember bis März ist geschlossen. Die Kasse schließt 30 Minuten vor Ende der Besuchszeit.
Wie groß ist das Riesenfass im Schloss Mikulov? Das Renaissance-Zehentfass von 1643 fasst 1.014 Hektoliter, also 101.400 Liter Wein, und gilt als das größte erhaltene Weinfass Mitteleuropas. Gebaut hat es der Brünner Fassbinder Christoph Specht, und gelagert wurde darin der Wein, den die Untertanen von den herrschaftlichen Weinbergen als Abgabe liefern mussten.
Wie lange dauert eine Besichtigung von Schloss Mikulov? Das hängt vom Rundgang ab. Der Hauptrundgang „Von der Gotik zum Empire“ dauert 70 Minuten, die kürzeren Führungen 30 Minuten und die Ausstellungen ohne Führung („Wein durch die Jahrhunderte“, „Römer und Germanen“) 30 bis 60 Minuten. Wer das ganze Schloss sehen will, sollte mit vier Stunden rechnen, die Wartezeit zwischen den Führungen eingerechnet.
Ist der Schlossgarten in Mikulov kostenlos? Auf die Terrassen und in den Schlossgarten kommst du ohne Ticket für die Ausstellungen. Eigene Öffnungszeiten dafür nennt die offizielle Website aber nicht, und ein Teil der Räume wird für Hochzeiten und Firmenfeiern vermietet. Frag deshalb vorher an der Kasse, ob der Garten frei zugänglich ist.
Wem gehörte Schloss Mikulov? Ab 1249 den Liechtensteinern, die es 1560 wegen ihrer Schulden für 60.000 Taler an den ungarischen Adligen Ladislaus Kerecsényi verkauften. Nach dem Aussterben seines Geschlechts fiel die Herrschaft an die kaiserliche Hofkammer, und 1575 bekam sie Adam von Dietrichstein von Kaiser Maximilian II. Die Dietrichsteins besaßen Nikolsburg bis 1945, heute hat im Schloss das Regionalmuseum Mikulov seinen Sitz.
Wo parkt man am Schloss Mikulov? Direkt oben am Schloss normalerweise nicht, du parkst unten in der Stadt und gehst zu Fuß bergauf. Am günstigsten ist der zentrale Parkplatz Jiráskova mit 5 Kronen pro Stunde und 50 Kronen (rund 2 €) für den ganzen Tag, bezahlt am Automaten. Eine weitere Möglichkeit ist der Parkplatz Na Hradbách mit 10 Kronen pro Stunde und 100 Kronen am Tag.
Ist Schloss Mikulov mit Kindern einen Besuch wert? Am besten passt für Kinder die Ausstellung „Wein durch die Jahrhunderte“ in den ehemaligen Stallungen. Sie ist interaktiv, du gehst sie ohne Führung in deinem eigenen Tempo ab, und der Raum ist barrierefrei und mit Tastelementen ausgestattet. In die eingerichteten Innenräume darfst du nicht mit dem Kinderwagen, den lässt du an der Kasse stehen.
Warum sieht Schloss Mikulov so neu aus? Weil es zum großen Teil ein Wiederaufbau aus der Nachkriegszeit ist. Im April 1945, in den letzten Kriegstagen, brannte das Schloss unter nicht ganz geklärten Umständen fast bis auf die Grundmauern nieder und verlor den Großteil seiner Einrichtung. Der Wiederaufbau nach Plänen des Brünner Architekten Otakar Oplatek begann 1951 und war Anfang der 1960er-Jahre abgeschlossen. Zu dem Wenigen, das den Brand überstanden hat, gehören die Schlossbibliothek und das Riesenfass im Keller.
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