Tschechien · 4.9.2026

Klettersteige in Tschechien: 24 Routen nach Region und Schwierigkeit

Via ferrata na Pastýřské stěně v Děčíně s lezci na skále

Aktualizováno 23.9.2026

Von Dresden bis zur Schäferwand in Děčín sind es gut siebzig Kilometer, mit dem Auto etwa eine Stunde. Das ist die kürzeste Antwort auf die Frage, warum sich Klettersteige in Tschechien für Sachsen, Berliner und alle anderen aus dem Osten Deutschlands lohnen: Auf der sächsischen Seite des Elbsandsteingebirges gibt es vor allem Stiegen mit Leitern und Eisenklammern, ein ganzer Park mit Stahlseil wartet erst hinter der Grenze. Und dabei bleibt es nicht. In den letzten fünfzehn Jahren sind in Tschechien gesicherte Routen in alten Steinbrüchen, an Felswänden über Flüssen und unter Burgen entstanden, von kurzen Strecken für Kinder bis zu Querungen, bei denen auch geübte Kletterer ins Schwitzen kommen. Wir haben 24 Klettersteige in Tschechien nach Region und Schwierigkeit zusammengestellt, jeweils mit Grad, Länge und Anfahrt, dazu Ausrüstung, Kosten und eine Beobachtung, die viele erst in den Alpen machen: Ein tschechisches C fühlt sich oft leichter an als ein österreichisches.

Klettersteige in Tschechien auf einen Blick

  • Das größte Klettersteiggebiet ist die Schäferwand (Pastýřská stěna) in Děčín: 16 Routen an einer Wand über der Elbe, eine Autostunde von Dresden entfernt.
  • Ohne Klettersteigset mit Falldämpfer, Gurt und Helm steigst du nicht ein. Das Set muss der Norm EN 958 entsprechen.
  • Die Schwierigkeit wird nach der Schall-Skala von A bis E angegeben. A schafft nach kurzer Einweisung fast jeder, ab C brauchst du Kraft in den Armen und einen ruhigen Kopf.
  • Vorsicht bei der Bewertung. Nach unserer Erfahrung fallen tschechische Grade oft eine Stufe milder aus als in Österreich, ein tschechisches C kann in den Alpen also ein D sein.
  • Die meisten Klettersteige in Tschechien sind kurz, meist zwischen einigen Dutzend und wenigen Hundert Metern. Das ist ein Vormittag, kein ganzer Tag.
  • Die meisten Routen liegen in der Region Ústí, also direkt hinter der sächsischen Grenze. Dicht gesät sind sie außerdem in Südböhmen und rund um Karlsbad, einzelne Gebiete gibt es im Isergebirge, an der Talsperre Vír und im Mährischen Karst.
  • Das Set kannst du leihen, an den größeren Steigen direkt vor Ort, sodass der erste Versuch fast nichts kostet.
Klettersteig an der Schäferwand in Děčín mit Kletterern am Fels
Die Schäferwand in Děčín, einer der meistbesuchten Klettersteige Tschechiens. Foto: VitVit, Wikimedia Commons, CC BY-SA 4.0

Was ist ein Klettersteig und was ist an Klettersteigen in Tschechien anders?

Ein Klettersteig, international Via ferrata genannt, also „eiserner Weg“, ist eine Route im Fels, die mit einem durchgehenden Stahlseil zur Sicherung und oft auch mit Leitern, Trittbügeln und Griffen ausgestattet ist. Die Idee dahinter: Auch Menschen ohne Klettererfahrung sollen in Gelände kommen, das ihnen sonst verschlossen bliebe, und dabei gegen einen Absturz gesichert sein.

Neu ist das nicht. Gesicherte Wege gab es in den Alpen schon im 19. Jahrhundert, als früheste belegte Anlage gilt der Dachstein, wo 1843 Eisenstifte, Griffe und Seile in den Fels gesetzt wurden. Den großen Schub brachte der Erste Weltkrieg in den Dolomiten: Die Armeen bauten gesicherte Steige, um Soldaten durch die Wände zu bringen, und viele davon wurden später für Bergsteiger wiederhergerichtet.

In Tschechien sieht das anders aus. Hochgebirge gibt es dort nicht, die tschechischen Klettersteige sind fast alle künstlich angelegt, in stillgelegten Steinbrüchen, an Felswänden über Städten und in den Sandsteingebieten. Daraus folgt zweierlei: Sie sind kurz, und sie sind leicht zu erreichen. Genau deshalb eignen sie sich gut, um die Technik zu üben, bevor du in die Alpen fährst. Wie du dich am Seil richtig bewegst und welche Fehler am Anfang typisch sind, erklären wir ausführlich in unserem Beitrag Klettersteig für Anfänger.

Schwierigkeitsgrade der Klettersteige in Tschechien: A bis E

In Tschechien wie in Deutschland und Österreich ist die Schall-Skala mit fünf Graden von A bis E üblich. Zwischenstufen wie A/B oder C/D bedeuten, dass eine Route zwischen zwei Graden liegt oder einzelne Stellen schwerer sind als der Rest:

GradWas er bedeutetFür wen
Aleicht, überwiegend Gehen im gesicherten Gelände, viele Tritte und Griffeabsolute Anfänger, Kinder ab etwa acht Jahren in Begleitung
Bmittelschwer, steilere Abschnitte, aber noch reichlich künstliche Hilfenwer schon einen Klettersteig geschafft hat
Cschwierig, senkrechte Passagen, in denen du dich mit den Armen hochziehstSportliche ohne Höhenangst
Dsehr schwierig, lange senkrechte Stücke, wenige TritteErfahrene mit Kraft in den Armen
Eextrem schwierig, überhängende Passagen mit kaum künstlichen TrittenKletterer

Der wichtigste Hinweis in diesem Artikel: Tschechische Klettersteige werden nach unserer Erfahrung oft eine Stufe milder bewertet, als dasselbe Gelände in Österreich eingestuft würde. Das hängt mit den kurzen Längen zusammen und mit der Gewohnheit der Erbauer vor Ort. Wenn du in Děčín ein C locker schaffst, heißt das also nicht automatisch, dass du auch ein C in Tirol oder am Dachstein schaffst. In den Alpen nimmst du dir besser einen Grad weniger vor, zumindest beim ersten Mal. Ein F taucht übrigens nur in einzelnen Topos als Erweiterung der Skala auf, auf den tschechischen Routen begegnet es dir nicht.

Ausrüstung für Klettersteige in Tschechien

  • Klettersteigset mit Falldämpfer und zwei Karabinern. In Europa gilt dafür die Norm EN 958, die 2017 überarbeitet wurde, nachdem ältere Systeme bei Tests versagt hatten. Finger weg von selbstgebauten Konstruktionen aus Seil und Schlingen: Sie nehmen die Sturzenergie nicht auf und können tödlich sein.
  • Sitzgurt. Für Kinder und leichte Personen empfiehlt sich die Kombination mit einem Brustgurt oder ein Komplettgurt, damit man sich bei einem Sturz nicht überschlägt.
  • Helm. Die häufigsten Verletzungen am Klettersteig entstehen nicht durch einen Sturz, sondern durch Steine, die jemand über dir lostritt.
  • Handschuhe ohne Fingerkuppen. Am Stahlseil stehen oft einzelne Drähte ab, und die schneiden unangenehm.
  • Schuhe mit fester Sohle, am besten knöchelhoch.
  • Rucksack auf dem Rücken, nicht über der Schulter. In senkrechten Passagen brauchst du beide Hände.

Auf die Gewichtsgrenze des Sets achten. Falldämpfer sind für einen bestimmten Bereich des Körpergewichts samt Ausrüstung ausgelegt, außerhalb davon funktionieren sie womöglich nicht wie vorgesehen. Bei Kindern und sehr leichten Personen ist das ein entscheidender Punkt, genauso wie bei sehr schweren. Lies die Angaben auf dem Etikett deines Sets, und frag beim Leihen nach, wenn du am Rand des Bereichs liegst.

24 Klettersteige in Tschechien nach Regionen

Bei jedem Steig nennen wir die Schwierigkeit nach der Skala A bis E und die Länge der gesicherten Strecke, denn an diesen beiden Angaben entscheidet sich, ob sich die Fahrt lohnt. Die tschechischen Ortsnamen lassen wir stehen, weil du sie genau so auf den Schildern und im Navi findest, die alten deutschen Namen stehen beim ersten Auftreten in Klammern.

Region Ústí: das dichteste Klettersteiggebiet, direkt hinter Sachsen

1. Schäferwand (Pastýřská stěna), Děčín (Tetschen). Schwierigkeit A/B bis E, einzelne Routen bis etwa 150 Meter. Das größte Klettersteiggebiet Tschechiens: 16 Routen an einer Felswand über der Elbe, sodass du hier genauso gut deinen ersten Klettersteig gehen wie einen ganzen Trainingstag verbringen kannst. Der Eintritt ist frei, ein komplettes Set leihst du laut Betreiber im Active Point Děčín für 250 Kronen am Tag, also rund 10 Euro. Von November bis Ende März ist Winterpause, und bei Regen oder feuchter Wand ist das Klettern verboten, weil nasser Sandstein rutschig und brüchig wird. Aus Dresden sind es 71 Kilometer (rund eine Stunde), aus Leipzig knapp 180 und aus Berlin 270 Kilometer. Wer lieber ohne Auto anreist, nimmt den Zug durchs Elbtal, die Fernzüge zwischen Dresden und Prag halten in Děčín.

2. Klettersteig Kavárnička, Srbská Kamenice (Windisch-Kamnitz). Schwierigkeit B bis D, Länge nur 12 Meter, verteilt auf drei Varianten. Einer der kürzesten Steige im Land und beliebt als allererster Versuch, für Kinder oder als kurzer Halt auf dem Weg in die Böhmische Schweiz.

3. Klettersteig Uchem jehly, Česká Kamenice (Böhmisch Kamnitz). Schwierigkeit B/C, Länge 50 Meter. Der Name heißt „durchs Nadelöhr“, und genau so führt die Route auch durch einen engen Felsspalt.

4. Klettersteig Poustevna, Mírkov bei Ústí nad Labem. Schwierigkeit C, Länge 50 Meter. Die Route liegt am linken Elbufer im Böhmischen Mittelgebirge. Der rechte Teil quert überhängenden Fels, der linke ist leichteres Gelände auf schrägem Gestein, Höhenmeter sammelst du hier kaum.

5. Lužická spojka, Vaňov (Ústí nad Labem). Schwierigkeit C, Länge 60 Meter. Anspruchsvoller als die leichten Varianten der Kavárnička und mit Blick ins Elbtal, lässt sich gut mit einer Runde über die Aussichtspunkte bei Vaňov verbinden.

6. Miniklettersteig Vinařská, Ústí nad Labem (Aussig). Schwierigkeit B, Länge 30 Meter. Kurzer Steig mitten in der Stadt, gut zum Aufwärmen. Ústí erreichst du aus Dresden in knapp einer Stunde.

7. Klettersteig Hněvín, Most (Brüx). Schwierigkeit B, Länge 75 Meter, zwei Varianten. Unter der Burg Hněvín, die über der Stadt Most thront, gut 100 Kilometer von Dresden.

8. Klettersteige an der Burgruine Blansko und Kolem jalovce. Schwierigkeit B, Länge 20 bis 30 Meter. Kurze Routen im Böhmischen Mittelgebirge, an der Ruine Blansko gleich zwei, dazu „Rund um den Wacholder“. Gut geeignet für Kinder und Einsteiger.

Region Liberec

9. Kočičí kameny, Isergebirge. Schwierigkeit B, je nach Quelle auch B/C, Länge 70 Meter. An den „Katzensteinen“ bei Bílý Potok und Hejnice im Isergebirge, lässt sich gut mit einer Kammwanderung verbinden. Aus Zittau bist du in einer knappen Stunde dort.

10. Vodní brána, Semily. Schwierigkeit B bis D je nach Variante, Länge gut 110 bis 120 Meter. Einer der schönsten Steige in Tschechien, weil er direkt über der Iser (Jizera) verläuft. Die Stadt Semily gibt die Hauptroute mit C+ an, der Betreiber führt mehrere farbig markierte Varianten. Der Steig ist das ganze Jahr frei zugänglich und kostet nichts, Sets verleiht die Touristeninformation in Semily.

11. Horolezecká aréna Liberec (Reichenberg). Schwierigkeit A/B bis D/E, zusammen rund 130 Meter. Die Kletterarena liegt in einem ehemaligen Steinbruch am Stadtrand und hat zwei Klettersteige: einen kurzen für Kinder (etwa 30 Meter) und die „Koupelna“ mit rund 100 Metern und einem sieben Meter langen Überhang. Ideal zum Trainieren, weil hier fast das ganze Spektrum der Schwierigkeiten nebeneinanderliegt. Von Zittau sind es nur 30 Kilometer.

Region Vysočina: Klettersteige an der Talsperre Vír

12. Talsperre Vír (Vírská přehrada). Schwierigkeit bis B/C. An der Talsperre Vír auf der Böhmisch-Mährischen Höhe gibt es zwei Klettersteige, die „Velká věž“ (Großer Turm) oberhalb der Hütte Krabička und die „Jezerní stěna“ (Seewand), deren Einstieg du an einer auffälligen Leiter rechts der Straße von der Eiswand zur Staumauer erkennst. Beide zusammen sind in etwa zwei Stunden gemacht, die Steige selbst sind frei zugänglich, und in der Verleihstation unter der Velká věž bekommst du ein komplettes Set für 200 Kronen (rund 8 Euro). Aus Dresden sind es allerdings über 330 Kilometer, das lohnt sich eher als Teil einer längeren Tour durch Mähren.

Region Karlsbad: gleich hinter dem Erzgebirge und dem Vogtland

13. Seifertova ferrata, Nové Hamry (Neuhammer). Schwierigkeit A bis D, Länge bis etwa 60 Meter, vier Routen an einem Fels. Der Steig im Erzgebirge liegt rund 20 Kilometer nördlich von Karlsbad und nur 15 Kilometer hinter Johanngeorgenstadt, aus Chemnitz fährst du knapp anderthalb Stunden. Die Ausrüstung leihst du im Hotel Seifert gleich nebenan, das auch das Gulasch für danach liefert.

14. Bioferrata, Bečov nad Teplou (Petschau). Schwierigkeit bis C/D, Länge 30 Meter, mit drei unterschiedlich schweren Abschnitten. Die Route führt durch naturbelassenes Gelände im Botanischen Garten unterhalb der Burg, deshalb zahlst du den Eintritt in den Garten, laut Betreiber 80 Kronen (gut 3 Euro). Für den Rundgang reicht eine halbe Stunde, außerhalb der Hauptsaison meldest du dich besser vorher an. Danach lohnt sich die Burg Bečov mit dem Reliquiar des heiligen Maurus, einem der wertvollsten Kunstschätze Tschechiens.

15. Hausberg, Kraslice (Graslitz). Schwierigkeit A/B bis C/D, Länge 80 Meter, drei farbig markierte Routen. Weniger bekannt, aber für Leute aus dem Vogtland praktisch um die Ecke: Von Klingenthal sind es fünf Kilometer, von Plauen gut 40.

16. Klettersteig Beduín, Stříbrná (Silberbach). Schwierigkeit C bis D/E, Länge 250 Meter. Das Felsmassiv Beduín im Rajecké údolí liegt auf etwa 755 Metern im Erzgebirge, gut zehn Kilometer von Klingenthal. Seit September 2022 gibt es hier drei Varianten: Blau (C) ist die längste, mit senkrechten Aufstiegen, Quergängen und zwei Seilbrücken, Gelb (D) hat einen Seilabschnitt, den du hangelnd oder mit Rolle überwindest, und Grün (D/E) ist die anspruchsvollste. Für den ersten Klettersteig ist das nichts.

Südböhmen

17. Klettersteig Hluboká. Schwierigkeit B und C/D, zusammen rund 720 Meter. Anders als oft zu lesen ist, liegt der Steig nicht in einem Steinbruch am Schloss, sondern an den Felsen über der Moldau, etwa acht Kilometer von Hluboká nad Vltavou (Frauenberg) entfernt. Laut Stadt gibt es drei Teile: Teil A (B, 150 Meter) und Teil B (C/D, 400 Meter) am linken Ufer, Teil C (B, 170 Meter) am rechten Ufer bei Poněšice. Ein Set kostet 350 Kronen am Tag (rund 14 Euro) plus 2.000 Kronen Kaution. Mit Familie passt das gut zusammen: Wer nicht klettert, fährt ins Schloss Hluboká oder nach Budweis. Von Passau sind es 129 Kilometer, gut zwei Stunden.

18. Klettersteig Tábor. Schwierigkeit B bis B/C, kurz, die Angaben zur Länge schwanken je nach Quelle zwischen 30 und 80 Metern. Der Fels steht direkt am Ufer der Lužnice mitten in der Stadt, geparkt wird etwa hundert Meter vom Einstieg. Ein guter Tipp für einen Nachmittag, auch mit Kindern, und danach bleibt Zeit für die Altstadt.

19. Klettersteig Bechyně (Bechin). Schwierigkeit D/E bis E, Länge 400 bis 500 Meter je nach Quelle. Gilt als einer der schwersten Klettersteige Tschechiens. Der größte Teil ist ein kräftezehrender Quergang knapp über der Lužnice, dazu kommen eine Seilbrücke mit Rolle und ein Schlussstück im Grad E bis zu einer Glocke. Wichtig: Der Steig hat keinen separaten Ausstieg, zurück geht es auf demselben Weg, du brauchst also Kraft für beide Richtungen. Ohne Erfahrung fahr hier nicht hin.

20. Klettersteig Havranka, Český Krumlov (Krumau). Schwierigkeit C, Länge 110 Meter, dazu eine leichte Route B mit etwa 40 Metern. Das Highlight ist eine 27 Meter lange Seilbrücke, wegen der die meisten herkommen. Ausrüstung verleiht das Bistro Garage am Einstieg der C-Route, in der Saison von April bis Oktober. Die Route dauert etwa eine halbe Stunde, die Krumauer Altstadt liegt gleich daneben. Von Passau fährst du knapp zwei Stunden.

21. Václavské skály, Písek. Schwierigkeit B bis B/C, Länge bis 80 Meter. Die Wenzelsfelsen bei Písek haben zwei Routen, „Lucinka“ mit etwa 80 und „Hadovka“ mit etwa 55 Metern, eröffnet wurden sie 2024. Eine gemäßigte Strecke, die sich gut für Familien eignet, Ausrüstung kannst du vor Ort leihen. Manche Portale führen die Route mit C, rechne also mit einzelnen kräftigeren Stellen.

Mittelböhmen

22. Slánská hora, Slaný (Schlan). Schwierigkeit B bis D/E, Länge rund 70 Meter, verteilt auf sieben kurze Routen und zwei Brücken. Der Steig liegt auf einem Basaltkegel über der Stadt nordwestlich von Prag, laut Tourismusverband ist es der einzige Klettersteig Tschechiens auf Basalt. Der Zugang ist frei, der Hügel ist aber ein Naturdenkmal, du bleibst also auf den markierten Wegen. Kurz, aber für einen ersten Eindruck völlig ausreichend, und aus Dresden in gut anderthalb Stunden erreichbar.

Südmähren

23. Velká Dohoda, Mährischer Karst. Schwierigkeit A bis E, insgesamt rund 1.120 Meter, damit das größte Klettersteigareal Tschechiens. Im ehemaligen Steinbruch Velká Dohoda gibt es laut Betreiber 15 markierte Einstiege an der Hauptwand und sechs weitere Routen an der Traverse und der Wand hinter der Feuerstelle, dazu eine ordentliche Infrastruktur. Mit eigener Ausrüstung zahlst du 200 Kronen (rund 8 Euro), das Leihset kostet 200 Kronen unter der Woche und 250 am Wochenende, für Kinder unter 130 Zentimetern 100 beziehungsweise 150 Kronen, dazu kommen 2.000 Kronen Kaution pro Set. Die Routen A und B mit Trittstiften sind ideal für Familien.

24. Speleoferrata im Mährischen Karst. Schwierigkeit B bis D je nachdem, wie du dich durch die Route bewegst, eine 40 Meter tiefe Höhlenkaskade. Eine Besonderheit: ein gesicherter Weg unter der Erde, in Ostrov u Macochy nahe der Macocha-Schlucht. Das ist ein geführtes Programm mit Helm samt Stirnlampe, Schlaz (Höhlenoverall), Gurt und Sicherung, deshalb kostet es mehr, in der Gruppe 1.490 Kronen pro Person (rund 60 Euro). Kinder unter 15 dürfen nur bei privaten Touren mit. Aus Dresden sind es knapp 380 Kilometer, das plant man als Wochenende zusammen mit Velká Dohoda.

Region Pardubice

Bonus: Klettersteig Cakle, Staré Oldřichovice bei Ústí nad Orlicí (Wildenschwert). Schwierigkeit A bis C, Länge zusammen 60 Meter, drei Übungsrouten mit zwei Seilbrücken im Tal der Tichá Orlice, direkt beim Wassersportcamp Cakle. Mit eigener Ausrüstung ist der Zugang frei, das Leihset kostet 150 Kronen pro Stunde, mit Instruktor 450 Kronen pro Stunde.

So bewegst du dich am Klettersteig

  • Beide Karabiner immer im Seil, außer im kurzen Moment des Umhängens an einem Verankerungspunkt.
  • Häng einzeln um. Niemals beide Karabiner gleichzeitig aushängen.
  • Zwischen zwei Verankerungen nur eine Person. Stürzt der über dir, reißt er euch beide mit, und die Kräfte am Verankerungspunkt sind enorm.
  • Das Seil ist kein Griff, wenn es sich vermeiden lässt. Es dient der Sicherung, geklettert wird am Fels und an den Tritten.
  • Halte Abstand zu der Person unter dir, damit du ihr keine Steine auf den Helm schickst.

Wann sich Klettersteige in Tschechien lohnen und wann nicht

Die Saison dauert grob von April bis Oktober, an der Schäferwand in Děčín ist offiziell vom 1. November bis 31. März Winterpause. Entscheidend sind vier Einschränkungen:

  • Bei Regen und nach Regen bleibst du unten. Stahl und Fels sind rutschig, und nasser Sandstein verliert zudem deutlich an Festigkeit. An der Schäferwand in Děčín ist das Klettern bei feuchter Wand deshalb ausdrücklich verboten.
  • Bei Gewitter bist du am Stahlseil das Schlechteste, was in der Umgebung zu finden ist. Zieht ein Gewitter auf, verlass den Steig sofort.
  • Im Winter sind die Routen vereist, ohne Erfahrung und Steigeisen hast du dort nichts verloren.
  • Brutzeit. In Felsgebieten werden einzelne Routen im Frühjahr gesperrt, damit Wanderfalken in Ruhe brüten können. Die Sperrungen werden vorher angekündigt und gelten auch für dich, schau also vor der Anfahrt auf der Seite des Betreibers nach.

Klettersteige mit Kindern

Die meisten leichten tschechischen Steige kannst du mit Kindern etwa ab acht Jahren gehen, entscheidend ist aber eher das Temperament als das Alter. Das brauchst du:

  • Ein Kinderset und einen Komplettgurt, damit sich das Kind bei einem Sturz nicht kopfüber dreht.
  • Einen Erwachsenen über dem Kind und einen darunter, am besten drei Leute auf ein Kind.
  • Eine kurze Route, die man jederzeit verlassen kann.
  • Keinen Druck. Wenn ein Kind mitten in einer senkrechten Wand in Panik gerät, ist das für alle ein Problem.

Mit Kindern eignen sich am besten die A- und B-Routen in Velká Dohoda, die B-Teile in Hluboká, die leichten Varianten an der Schäferwand in Děčín, der kurze Steig in Tábor und die Übungsrouten in Cakle. Aus Sachsen ist Děčín die naheliegende erste Wahl, weil du dort vor Ort leichter oder schwerer weitermachen kannst.

Was Klettersteige in Tschechien kosten

Ein großer Teil der Klettersteige in Tschechien ist frei zugänglich und kostenlos, weil sie von Gemeinden oder Vereinen gebaut wurden, etwa in Děčín, Semily, Vír oder an der Slánská hora. An einigen zahlst du einen kleinen Eintritt oder fürs Parken, etwa in Velká Dohoda (200 Kronen) oder im Botanischen Garten in Bečov, deutlich teurer ist nur die geführte Speleoferrata. Der eigentliche Kostenpunkt ist die Ausrüstung:

  • Ein komplettes Leihset kostet an den größeren Steigen meist zwischen 200 und 350 Kronen am Tag, also etwa 8 bis 14 Euro, oft gegen Kaution. Verleihstationen gibt es direkt an vielen Steigen.
  • Eigenes Set, Gurt und Helm kosten zusammen ein paar hundert Euro, halten aber jahrelang.
  • Ein Kurs mit Bergführer lohnt sich, wenn du regelmäßig Klettersteige gehen oder in die Alpen willst.

Bezahlt wird in tschechischen Kronen. Die Euro-Beträge in diesem Artikel sind grob umgerechnet, und für kleine Verleihstellen und Parkplätze nimmst du am besten etwas Bargeld mit.

Häufige Fragen zu Klettersteigen in Tschechien

Wo gibt es in Tschechien die meisten Klettersteige an einem Ort?Die meisten Routen an einer einzigen Wand hat die Schäferwand (Pastýřská stěna) in Děčín mit 16 Klettersteigen von A/B bis E. Das größte Areal nach Länge ist Velká Dohoda im Mährischen Karst mit 15 markierten Einstiegen an der Hauptwand, sechs weiteren Routen und zusammen rund 1.120 Metern.

Welche Ausrüstung brauche ich für einen Klettersteig in Tschechien?Ein Klettersteigset mit Falldämpfer nach EN 958, einen Sitzgurt, einen Helm, Handschuhe und Schuhe mit fester Sohle. Für Kinder und leichte Personen empfiehlt sich ein Komplettgurt. Ohne Set mit Falldämpfer steigst du nicht ein, selbstgebaute Lösungen aus Seil und Schlingen nehmen die Sturzenergie nicht auf. An den größeren Steigen kannst du alles leihen.

Was bedeuten die Schwierigkeitsgrade A bis E?Das ist die Schall-Skala. A ist eine leichte Route, auf der du überwiegend im gesicherten Gelände gehst, C bedeutet senkrechte Passagen, in denen du dich mit den Armen hochziehst, und E überhängendes Gelände mit kaum künstlichen Tritten. Nach unserer Erfahrung fallen tschechische Grade oft eine Stufe milder aus als österreichische.

Ab welchem Alter können Kinder auf einen Klettersteig?Auf leichte Routen etwa ab acht Jahren, entscheidend ist aber mehr das Temperament des Kindes als das Alter. Pflicht sind ein Kinderset und ein Komplettgurt, damit sich das Kind bei einem Sturz nicht überschlägt, und je ein Erwachsener über und unter ihm.

Kann man bei Regen auf einen Klettersteig?Besser nicht. Nasses Stahlseil und nasser Fels sind rutschig, und Sandstein verliert bei Nässe zusätzlich an Festigkeit, in Děčín ist das Klettern bei feuchter Wand deshalb verboten. Zieht ein Gewitter auf, verlass den Steig sofort, am Stahlseil bist du der exponierteste Punkt weit und breit.

Kosten Klettersteige in Tschechien Eintritt?Die meisten nicht, sie wurden von Gemeinden oder Vereinen gebaut und sind frei zugänglich, darunter die Schäferwand in Děčín. Eintritt verlangen zum Beispiel Velká Dohoda (200 Kronen, rund 8 Euro) und der Botanische Garten in Bečov. Der größte Posten ist die Ausrüstung, ein Leihset kostet meist 200 bis 350 Kronen am Tag.

Wann hat der Klettersteig in Děčín geöffnet?Die Schäferwand ist frei zugänglich und hat keine Kasse, offiziell gilt aber vom 1. November bis 31. März eine Winterpause. Auch in der Saison ist das Klettern bei Regen oder feuchter Wand verboten. Ein Leihset bekommst du im Active Point Děčín für 250 Kronen am Tag.

Welcher Klettersteig in Tschechien eignet sich für den Anfang?Die Schäferwand in Děčín, weil dort leichte und schwere Varianten nebeneinanderliegen und du vor Ort steigern oder zurückschalten kannst. Aus Dresden bist du in einer Stunde dort. Gute erste Ziele sind außerdem die B-Teile in Hluboká, Tábor und Velká Dohoda im Mährischen Karst mit seinen A- und B-Routen.

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