Rumänien · 24.8.2026

Tschechische Dörfer in Rumänien: alle sechs im Banat, Anfahrt und Unterkunft

Panorama české vesnice Svatá Helena v rumunském Banátu s červenými střechami a poli v kopcích

Aktualizováno 23.9.2026

Ein Wirtshaus, in dem Tschechisch gesprochen wird, eine Schule, die nach Comenius benannt ist, und ein Friedhof voller tschechischer Namen. Nur liegt das alles nicht in Böhmen, sondern ganz im Südwesten Rumäniens, in den Bergen über der Donau, gut 1.100 Straßenkilometer von München entfernt. Die tschechischen Dörfer in Rumänien gehören zu den ungewöhnlichsten Ecken Europas: Hier hat sich eine Sprache und eine Art zu leben erhalten, die in Tschechien selbst vor rund hundert Jahren verschwunden ist. Wir sind alle sechs noch bewohnten Dörfer abgelaufen und erklären dir, wer die Banater Tschechen sind, wie du aus Deutschland hinkommst, wo du schläfst und welche Zahl mehr über die Gegend verrät als jeder Reiseführer.

Tschechische Dörfer in Rumänien auf einen Blick

  • Die meisten Tschechen kamen in den 1820er Jahren ins Banat, das damals Grenzland der Habsburgermonarchie war, als Teil einer Siedlungswelle, die die Region über ein Jahrhundert lang prägte.
  • Sechs ihrer Dörfer gibt es bis heute: Gerník, Rovensko, Svatá Helena, Bígr, Eibenthal und Šumice.
  • Die Zahl der Tschechen in Rumänien sinkt rasant. Bei der Volkszählung 2002 waren es 3.938, 2021 nur noch 1.576, also rund 60 Prozent weniger in nicht einmal zwanzig Jahren.
  • Ein siebtes Dorf, Elisabethfeld, ist schon 1847 verschwunden, vor allem weil dort das Wasser ausging.
  • Unterwegs bist du hier vor allem zu Fuß. Wanderwege verbinden die Dörfer, von einem zum nächsten gehst du mehrere Stunden.
  • Du übernachtest privat bei Familien, und genau das ist auch der direkteste Weg, der Gegend zu helfen.
  • Mit dem Auto sind es ab München rund 1.130 Kilometer, ab Berlin rund 1.340. Bequemer ist ein Flug nach Timișoara (Temeswar) und von dort gut drei Stunden mit dem Mietwagen.

Warum es tschechische Dörfer in Rumänien gibt

Um zu verstehen, wie Tschechen an die untere Donau kamen, muss man einen Schritt zurückgehen. Das Banat ist eine historische Region, die heute zwischen Rumänien, Serbien und einem kleinen Zipfel Ungarns aufgeteilt ist. Nach dem Frieden von Passarowitz 1718 fiel es an Österreich, und Wien begann, das von den Kriegen gegen die Osmanen verwüstete Land planmäßig zu besiedeln. Die bekannteste Gruppe kennst du vermutlich aus Deutschland: die Banater Schwaben. Ab 1722 zogen in mehreren Wellen, vor allem unter Maria Theresia und Joseph II., Siedler aus Franken, Bayern, der Pfalz, Lothringen, Baden und Österreich in die Ebene um Timișoara. Nach dem Zweiten Weltkrieg und besonders nach 1990 sind die meisten ihrer Nachfahren nach Deutschland ausgesiedelt, weshalb die Banater Schwaben heute vor allem in Süddeutschland zu Hause sind und dort bis heute ihre Vereine und Treffen haben.

Die Tschechen gehören zu einer späteren Phase dieser Kolonisierung und kamen nicht in die fruchtbare Ebene, sondern in die Berge im Süden. In den 1820er Jahren warb zuerst der Holzunternehmer János Magyarly Familien vor allem aus West- und Mittelböhmen an, später siedelte die Militärverwaltung weitere Familien entlang der Militärgrenze an. Versprochen wurden Land, Steuerfreiheit und Befreiung vom Militärdienst. Die Wirklichkeit sah anders aus: Der Boden in den Bergen über der Donau war steinig, das Klima rau, und die Dörfer lagen so abgelegen, dass mancher Weg nur zu Fuß zu bewältigen war.

So entstanden Gerník, Rovensko, Svatá Helena, Bígr, Eibenthal und Šumice, dazu das Dorf Elisabethfeld, das die Siedler 1847 wieder aufgaben, weil der Bach austrocknete. Seine Bewohner zogen größtenteils ins benachbarte Svatá Helena. Einige Familien gingen später weiter in den heute serbischen Teil des Banats, wo mit Češko Selo ebenfalls ein tschechisches Dorf entstand. Etwa zur gleichen Zeit, um 1828, kamen übrigens auch deutschsprachige Siedler aus dem Bayerischen Wald und dem Böhmerwald ins Banater Bergland und gründeten weiter nördlich Dörfer wie Wolfsberg (Gărâna) und Weidenthal (Brebu Nou). In Wolfsberg, das heute vor allem ein Wochenendort für Rumänen ist, findet im Sommer ein Jazzfestival statt.

Was den Siedlern über Generationen das Leben schwer machte, ist heute der Grund, warum man hinfährt. Weil fast hundert Jahre lang kaum jemand in diese Täler kam, haben sich hier die tschechische Sprache, die Bräuche und die alte Landwirtschaft erhalten, die es in Tschechien längst nicht mehr gibt. Stellenweise werden die Felder noch mit Pferden bestellt, und das Heu trocknet auf Holzgestellen. Die Leute nennen sich selbst übrigens oft Pémové, ein Wort, das vom deutschen „Böhm“ kommt.

Wie viele Tschechen heute noch in den Dörfern leben

Die eine Zahl, die mehr erzählt als jede Beschreibung: 2002 zählte die rumänische Volkszählung 3.938 Tschechen, 2021 nur noch 1.576. In knapp zwei Jahrzehnten ist die Gemeinschaft also um rund 60 Prozent geschrumpft, und ein Ende des Trends ist nicht in Sicht.

Der Grund hat nichts mit Tourismus zu tun. Nach der Öffnung der Grenzen 1990 sind vor allem die Jungen gegangen, zum Arbeiten nach Tschechien oder in die rumänischen Städte, und in den Dörfern bleiben die Älteren zurück. Für deine Reise heißt das zweierlei. Erstens: Du schaust dir etwas an, das gerade verschwindet. Zweitens: Das Geld, das du direkt im Dorf ausgibst, kommt an, denn Privatzimmer, Abendessen und ein paar Einkäufe bei den Leuten sind für viele Familien ein echtes Einkommen.

Wie du dich im Banat verhältst: Das hier ist kein Freilichtmuseum. Es sind bewohnte Dörfer, in denen Menschen ganz normal leben und arbeiten. Fotografiere Leute nicht ungefragt, geh nicht über fremde Grundstücke und rechne damit, dass am Sonntagvormittag das halbe Dorf in der Kirche sitzt. Wenn du mit jemandem ins Gespräch kommst, erfährst du mehr als aus jedem Reiseführer, auch wenn es mit Händen, Füßen und einer Übersetzungs-App sein muss.

Tschechische Dörfer in Rumänien: die sechs Orte im Überblick

Alle sechs Dörfer liegen im Banater Bergland zwischen Oravița und der Donau, verteilt auf die Kreise Caraș-Severin und Mehedinți. Jedes hat einen eigenen Charakter, und in welcher Reihenfolge du sie besuchst, hängt vor allem davon ab, wo du übernachtest. Wir geben zu jedem Ort den tschechischen und den rumänischen Namen an, denn auf Straßenschildern und im Navi findest du meist nur den rumänischen.

1. Gerník (Gârnic): das größte Dorf und der beste Ausgangspunkt

Das größte und bekannteste der tschechischen Dörfer und für die meisten Besucher die erste Station. Es gibt eine Kirche, eine Schule, einen Laden, ein Wirtshaus, ein kleines Museum und die größte Auswahl an Privatzimmern. Von hier aus brechen die meisten zu den Wanderungen in die anderen Dörfer auf, und Gerník ist traditionell auch für seine Pferde bekannt. Wer für das Banat nur zwei Tage hat, sollte hierher fahren.

2. Rovensko (Ravensca): das höchstgelegene Dorf

Rovensko ist das am höchsten gelegene tschechische Dorf und verteilt sich über mehrere Bergrücken, umgeben von Wiesen und mit weiten Ausblicken. Es ist kleiner und ruhiger als Gerník und der beste Ort, um die traditionelle Landwirtschaft aus der Nähe zu sehen. Schon der Weg hierher führt durch eine wunderschöne Landschaft.

3. Svatá Helena (Sfânta Elena): das älteste Dorf über der Donau

Das älteste der noch bestehenden Dörfer, gegründet 1824, liegt in einem Sattel zwischen Karsthügeln direkt über der Stelle, wo die Donau die Karpaten durchbricht. Die Aussicht ins Tal ist großartig, und das Dorf hat eine besondere Atmosphäre, weil hier Katholiken und Baptisten Tür an Tür leben. Die Donau ist nah, und die Wanderung lässt sich gut mit einem Abstecher an den Fluss verbinden.

4. Bígr (Bigăr): abseits aller Routen

Ein kleines Dorf mitten in den Wäldern, abseits der Hauptrouten, das nur ein Bruchteil der Besucher erreicht. Sein Grundriss hat die Form eines Kreuzes, gegründet wurde es von Holzfällern und Bergleuten. Genau deshalb lohnt sich der Weg, wenn du einen Tag übrig hast und das Banat ganz ohne andere Touristen sehen möchtest.

5. Eibenthal: das Bergmannsdorf nahe der Kazan-Schlucht

Das einzige reine Bergmannsdorf unter den tschechischen Siedlungen: Die Männer arbeiteten hier über Generationen im Kohlebergwerk, und der deutsche Name verrät, dass es in der Gegend auch einen deutschen Einfluss gab. Eibenthal liegt nah an der Donau und ist von allen Dörfern am nächsten an der Kazan-Schlucht. Seit einigen Jahren findet hier ein Festival statt, das Kultur und Menschen ins Dorf bringt.

6. Šumice (Șumița): das kleinste und entlegenste Dorf

Das kleinste und am schwersten erreichbare der sechs Dörfer liegt abseits der anderen und weit weg von den üblichen Wanderwegen. Wer das echte Ende der Straße sehen will, ist hier richtig.

Tschechisches Dorf auf einem Bergrücken im rumänischen Banat zwischen Wäldern und Feldern
Die Dörfer im Banat liegen auf Bergrücken über den Tälern und sind untereinander oft nur durch Fußwege verbunden. Foto: Jiří Bernard, Wikimedia Commons, CC BY-SA 3.0

Glaube und Alltag in den Dörfern

Für so kleine Orte ist die religiöse Landschaft erstaunlich vielfältig, und sie bestimmt den Alltag stärker, als man von außen erwartet. Die meisten Dörfer sind katholisch, und die Kirche ist nach wie vor das, was die Gemeinschaft zusammenhält: Am Sonntagvormittag sitzt das Dorf in der Messe, außerhalb des Gottesdienstes wirken die Gassen dann wie ausgestorben.

Die Ausnahme ist Svatá Helena, wo Katholiken und Baptisten nebeneinander leben. Das hat auch für dich als Gast eine praktische Seite: In baptistischen Familien wird kein Alkohol getrunken, der selbstgebrannte Schnaps, der anderswo im Banat zur Begrüßung gehört, fällt hier also weg. Das sagt dir niemand vorher, aber es ist gut, es zu wissen, damit du nicht überrascht bist.

Mit dem Glauben hängt auch zusammen, warum sich hier Bräuche halten, die in Tschechien längst verschwunden sind. Wallfahrten, Kirchweih und Fasching sind keine wiederbelebten Folkloreveranstaltungen für Touristen, sondern ein selbstverständlicher Teil des Jahres.

Wovon die Dörfer heute leben

Ursprünglich lebte man hier von der Landwirtschaft und vom Wald, später kam der Bergbau dazu. Am deutlichsten in Eibenthal, wo Kohle abgebaut wurde und die Arbeit unter Tage das Dorf über Generationen am Leben hielt. Als der Bergbau endete, fiel die wichtigste Einkommensquelle weg, und die Jungen gingen noch schneller.

Heute steht der Lebensunterhalt auf drei Beinen:

  • Selbstversorgung. Feld, Obstgarten, eine Kuh und ein Schwein, also das, was in Mitteleuropa vor Jahrzehnten aus den Dörfern verschwunden ist. Genau deshalb siehst du hier Heu auf Holzgestellen und Pferde vor dem Pflug.
  • Tourismus. Viele Familien haben einen Teil ihres Hauses zu Gästezimmern umgebaut, und das ist für sie ein echtes Einkommen. Manche ehemaligen Bergleute haben sich nach der Schließung der Grube so eine neue Existenz aufgebaut.
  • Arbeit in Tschechien. Ein großer Teil der Jüngeren arbeitet in Tschechien und kommt nur saisonal oder zu den Feiertagen nach Hause.

Warum das für dich zählt: Wenn du Übernachtung und Abendessen direkt bei einer Familie bezahlst statt in einem Hotel in Oravița, bleibt das Geld im Dorf. Einfacher kannst du nicht dazu beitragen, dass es die tschechischen Dörfer im Banat noch eine Weile gibt.

Anreise aus Deutschland ins Banat

Ins Banat gerät man nicht zufällig auf der Durchreise. Man muss hinwollen.

  • Mit dem Auto sind es nach Gerník ab München rund 1.130 Kilometer, ab Dresden rund 1.140, ab Berlin rund 1.340 und ab Frankfurt rund 1.430 Kilometer, meist über Österreich und Ungarn. Reine Fahrzeit sind das je nach Startpunkt 13 bis 16 Stunden, plane also mindestens eine Übernachtung unterwegs ein, etwa in Wien, Budapest oder Szeged. Die letzten Dutzend Kilometer führen über schmale und teils schlechte Straßen, manche Dörfer erreichst du mit dem Auto nur bei trockenem Wetter. Mit einem tiefergelegten Wagen fährst du besser nicht hin.
  • Mit dem Flugzeug ist Timișoara (Temeswar) der nächste größere Flughafen. Welche deutschen Städte gerade direkt angeflogen werden, wechselt von Saison zu Saison, schau also vor der Buchung nach. Von Timișoara bis Gerník sind es rund 165 Kilometer oder gut drei Stunden mit dem Mietwagen.
  • Mit dem Bus fahren in der Saison direkte Verbindungen aus Tschechien bis in die Dörfer, die vor allem von tschechischen Urlaubern genutzt werden. Wer ohnehin über Prag anreist, kann das als Alternative zum langen Selberfahren in Betracht ziehen.
  • Mit dem Zug und weiter kommst du bis Oravița oder Moldova Nouă und von dort mit lokalen Verbindungen oder zu Fuß weiter, das ist aber eine langwierige Sache.
Zweisprachige Tafel an der Schule in Svatá Helena mit der Aufschrift Škola J. A. Komenského und Școala Sfânta Elena
Die Comenius-Schule (Škola J. A. Komenského) in Svatá Helena entstand 1996 bis 1998 im Rahmen eines Programms der tschechischen Regierung zur Förderung der tschechischen Minderheit in Rumänien. Foto: Radu Trifan, Wikimedia Commons, gemeinfrei

Zu Fuß von Dorf zu Dorf

So erlebst du das Banat am besten. Die Dörfer sind durch markierte Wanderwege verbunden, und zwischen ihnen gehst du mehrere Stunden durch eine Landschaft, in der dir kaum jemand begegnet. Das übliche Programm: bis Gerník fahren, das Auto stehen lassen und ein paar Tage lang von Dorf zu Dorf wandern, mit einer Übernachtung jeweils bei einer anderen Familie.

Darauf solltest du achten:

  • Die Markierung ist nicht, was du aus den Alpen kennst. Sie ist lückenhafter und schlechter gepflegt, nimm eine Karte und eine Offline-Navigation mit.
  • Die Entfernungen sind größer, als sie auf der Karte wirken. Das Gelände ist hügelig, und die Wege schlängeln sich.
  • Trag dein Wasser selbst. Zwischen den Dörfern kannst du nirgends nachfüllen.
  • In der Gegend leben Bären und Wölfe. Das Risiko einer Begegnung ist gering, es gelten aber dieselben Regeln wie überall in den Karpaten: beim Gehen Geräusche machen, nicht in der Dämmerung unterwegs sein und kein Essen draußen liegen lassen.
  • Der Handyempfang ist schwach und fehlt stellenweise ganz.

Übernachten und Essen in den tschechischen Dörfern

Übernachtet wird privat bei Familien im Dorf. Ein Hotel darfst du nicht erwarten: Du bekommst ein Zimmer im Haus, Frühstück und oft auch ein Abendessen aus eigenen Zutaten und dazu die Gesellschaft von Menschen, die Tschechisch sprechen, nur eben ein etwas altertümliches. Das ist der Hauptgrund, warum man herkommt, und zugleich der wichtigste Weg, den Dörfern zu helfen.

  • Reserviere im Voraus, vor allem im Sommer und an langen Wochenenden. Die Zahl der Betten ist begrenzt.
  • Zahl bar in Lei. Karten funktionieren in den Dörfern nicht, der nächste Geldautomat steht in einer größeren Stadt. Heb also vorher genug Geld ab.
  • Rechne mit Hausmannskost, nicht mit einem Restaurant. Wenn du vegetarisch isst, sag es vorher.
  • Schnaps wird angeboten, und ablehnen ist nicht ganz einfach.
  • Rechne nicht damit, dass Deutsch oder Englisch verstanden wird. Gesprochen werden Tschechisch und Rumänisch. Eine Übersetzungs-App mit heruntergeladenen Sprachpaketen hilft enorm, auch bei der Reservierung.

Wo du in welchem Dorf übernachten kannst

Das Angebot unterscheidet sich von Dorf zu Dorf, und danach solltest du deine Route planen:

  • Gerník hat mit Abstand die meisten Betten und die meisten Familien, die Gäste aufnehmen. Es gibt einen Laden, ein Wirtshaus und eine Bäckerei, damit ist es die bequemste Basis und der beste Ort für Start und Ende.
  • Svatá Helena ist die zweitbeste Wahl, mit Blick zur Donau und einem guten Angebot an Privatzimmern.
  • Eibenthal hat dank des Festivals und der Vereinsarbeit unter den kleineren Dörfern die beste Infrastruktur, einschließlich eines Campingplatzes.
  • Rovensko, Bígr und Šumice haben nur wenige Betten. Hier kannst du zum Mittagessen vorbeikommen und weiterziehen, eine Übernachtung solltest du aber vorher absprechen und damit rechnen, dass sie dir niemand verbindlich bestätigt.

Aktuelle Preise und freie Zimmer findest du über die Unterkünfte rund um die tschechischen Dörfer im Banat.

So reservierst du

Das funktioniert anders als anderswo. Viele Unterkünfte kannst du über die üblichen Buchungsportale gar nicht buchen. Man ruft direkt bei den Gastgebern an, schreibt über Facebook oder bucht über tschechische Vereine und Informationsseiten zum Banat, die als Vermittler auftreten, allerdings meist nur auf Tschechisch.

  • Kläre alles rechtzeitig, vor allem für August und für die Festivaltage, wenn das ganze Banat ausgebucht ist.
  • Sag gleich dazu, wie viele ihr seid und für wie viele Nächte, und ob ihr auch Abendessen wollt.
  • Bestätige am Tag vor der Ankunft. Der Empfang ist schwach, und eine Absprache von vor einem Monat muss nicht mehr gelten.
  • Camping und Zelten geht vor allem in Eibenthal, anderswo fragst du den Besitzer des Grundstücks.

Was es kostet: Eine Übernachtung im Privatzimmer mit Hausmannskost gehört zu den günstigsten in Europa. Feste Preise gibt es nicht, sie unterscheiden sich von Familie zu Familie, frag also beim Reservieren nach. Nimm dabei ernst, dass das Geld direkt an die Familien geht, die in den Dörfern geblieben sind. Handle nicht, und zahl lieber noch ein Abendessen dazu, auch wenn du schon satt bist.

Veranstaltungen im Banat: wann in den Dörfern etwas los ist

Ein volles Programm übers ganze Jahr bietet das Banat nicht, aber in der Saison gibt es ein paar Termine, nach denen es sich lohnt, die Reise zu planen.

Festival Banát

Die größte und bekannteste Veranstaltung. Es ist ein mehrtägiges Festival in Eibenthal, das tschechische Musik mit Theater, Vorträgen und Folklore verbindet und die Dörfer unterstützen will, aus denen die Menschen wegziehen. 2026 fand es vom 19. bis 23. August statt, es war die 15. Ausgabe. Der Termin liegt üblicherweise in der zweiten Augusthälfte.

Spannend ist auch die Anreise, die zum Erlebnis dazugehört. Die Veranstalter bieten mehrere Varianten an, darunter einen Sonderzug aus Tschechien, der Hunderte Besucher an die rumänische Donau bringt, von wo es per Schiff und Bus nach Eibenthal weitergeht. Außerdem kann man per Flugzeug, Bus, Fahrrad oder mit dem eigenen Auto anreisen, die Pakete enthalten Unterkunft und Verpflegung. Gebucht wird allerdings aus Tschechien und auf Tschechisch.

Wer das Banat in Ruhe erleben will, sollte nicht zum Festival fahren. In diesen Tagen ist das Dorf voll, und die Stimmung ist eine völlig andere als sonst. Wer das Banat dagegen mit vollem Programm erleben möchte, ist genau dann richtig. Den aktuellen Jahrgang und die Preise findest du auf festivalbanat.cz (auf Tschechisch).

Gulaschfest in Svatá Helena

Ein kleineres Sommerfest mit Wettkochen um den besten Gulasch, das eher wie ein Dorffest funktioniert. Es findet meist im August statt, der Termin verschiebt sich von Jahr zu Jahr.

Kirchweih und Wallfahrten

Jedes Dorf feiert seine eigene Kirchweih zum Fest seines Schutzpatrons, und das ist das Ursprünglichste, was du im Banat erleben kannst. Es wird gebacken, man geht in die Kirche, es wird musiziert und getanzt. Das sind keine Veranstaltungen für Touristen, benimm dich also wie ein Gast und nicht wie ein Zuschauer.

Bierfeste und andere Veranstaltungen

In Eibenthal und Umgebung gibt es in der Saison auch kleinere Feste, zum Beispiel Bierfeste. Im serbischen Teil des tschechischen Banats wird eine Paprikašijáda veranstaltet, ein Wettkochen um das beste Paprikasch.

Prüf die Termine kurz vor der Reise. Die Daten der kleineren Dorffeste verschieben sich jedes Jahr und stehen selten rechtzeitig im Netz. Am sichersten fragst du direkt bei deinen Gastgebern nach oder verfolgst die Seiten der Vereine, die sich um das Banat kümmern.

Was du mit dem Banat verbinden kannst

  • Die Kazan-Schlucht (Cazanele Dunării), in der sich die Donau zwischen Felswänden hindurchzwängt. Sie gehört zu den eindrucksvollsten Orten in diesem Teil Europas.
  • Der Felsenkopf des Decebalus, ein riesiges Gesicht des Dakerkönigs, das in den Fels über der Donau gehauen wurde.
  • Der Naturpark Eisernes Tor (Porțile de Fier) auf der rumänischen Seite des Donaudurchbruchs.
  • Băile Herculane, eine Kurstadt mit Architektur aus der k.u.k.-Zeit, schön und zugleich halb verfallen.
  • Timișoara (Temeswar), die nächste Großstadt mit einer hervorragenden Kaffeehausszene und dem Zentrum der Banater Schwaben.

Die beste Reisezeit für die tschechischen Dörfer

  • Mai und Juni: blühende Wiesen, grüne Hügel und angenehme Temperaturen zum Wandern. Für uns die beste Zeit.
  • September und Oktober: Ernte, Farben und stabiles Wetter. Die zweitbeste Wahl.
  • Juli und August: Hitze, die du in den Hügeln spürst, und die meisten Besucher. Dafür sind dann auch viele ausgewanderte Dorfbewohner zu Besuch, und es ist richtig was los.
  • Winter: Die Dörfer sind verschneit und wunderschön, die Wege aber oft unpassierbar und die Unterkünfte begrenzt.

Wie viele Tage: Für ein Dorf reicht ein Tag, sinnvoll wird das Banat aber erst ab drei bis vier Tagen. Ideal ist es, das Auto in Gerník stehen zu lassen und mindestens drei Dörfer zu Fuß abzulaufen, mit Übernachtungen bei den Familien. Wer nur für einen Nachmittag kommt, sieht nur Häuser.

Häufige Fragen zu den tschechischen Dörfern in Rumänien

Wie viele tschechische Dörfer gibt es in Rumänien?Sechs, die bis heute bewohnt sind: Gerník (Gârnic), Rovensko (Ravensca), Svatá Helena (Sfânta Elena), Bígr (Bigăr), Eibenthal und Šumice (Șumița). Alle liegen im Banater Bergland über der Donau. Ein siebtes Dorf, Elisabethfeld, wurde schon 1847 aufgegeben, und einige Familien zogen später in den serbischen Teil des Banats weiter, wo das Dorf Češko Selo entstand.

Warum leben Tschechen im Banat?Das Banat war nach 1718 habsburgisches Grenzland, das Wien gezielt besiedeln ließ, zuerst vor allem mit Banater Schwaben aus Süd- und Westdeutschland. Die Tschechen kamen später, überwiegend in den 1820er Jahren, angeworben von einem Holzunternehmer und von der Militärverwaltung. Versprochen wurden Land und Steuerfreiheit, die Wirklichkeit in den steinigen Bergen über der Donau war aber viel härter.

Wie viele Tschechen leben heute in Rumänien?Laut Volkszählung waren es 2002 noch 3.938, im Jahr 2021 nur noch 1.576. Das ist ein Rückgang um rund 60 Prozent in knapp zwei Jahrzehnten, weil die Jungen zum Arbeiten nach Tschechien und in die Städte gehen.

Wird in den Dörfern noch Tschechisch gesprochen, und komme ich mit Deutsch weiter?Ja, Tschechisch ist in den Dörfern bis heute Alltagssprache, dazu Rumänisch. Durch die Abgeschiedenheit klingt es altertümlich und enthält Wörter, die in Tschechien kaum noch jemand verwendet. Mit Deutsch oder Englisch solltest du nicht rechnen, eine Übersetzungs-App mit Offline-Sprachpaketen hilft weiter.

Wie komme ich aus Deutschland ins Banat?Mit dem Auto sind es ab München rund 1.130 Kilometer, ab Berlin rund 1.340, also mit Übernachtung unterwegs, und die letzten Kilometer führen über schlechte Straßen. Schneller geht es mit einem Flug nach Timișoara (Temeswar) und von dort gut drei Stunden mit dem Mietwagen. Welche deutschen Städte gerade direkt angeflogen werden, ändert sich mit der Saison.

Wo übernachtet man in den tschechischen Dörfern?Privat bei Familien im Dorf. Du bekommst ein Zimmer im Haus, Frühstück und oft auch ein Abendessen aus eigenen Zutaten. Reserviere rechtzeitig, weil es nur wenige Betten gibt, und nimm Bargeld in Lei mit, denn Karten funktionieren in den Dörfern nicht.

Wie viele Tage sollte ich für das Banat einplanen?Drei bis vier Tage. Ideal ist es, das Auto in Gerník stehen zu lassen und mindestens drei Dörfer zu Fuß abzulaufen, mit Übernachtungen bei den Familien, denn die Dörfer sind durch markierte Wanderwege verbunden. Wer nur einen Nachmittag bleibt, sieht nur Häuser und verpasst das Wesentliche.

Gibt es im Banat Bären?Ja, in der Gegend leben Bären und Wölfe. Das Risiko einer Begegnung ist gering, es gelten aber dieselben Regeln wie überall in den Karpaten: beim Wandern Geräusche machen, nicht in der Dämmerung unterwegs sein und kein Essen draußen an der Unterkunft liegen lassen.

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